Neuer Hochschullehrgang: Narrative Organisationsberatung

Worum es geht? Mit Storytelling, Storylistening und narrativen Reflexionsmethoden Unternehmensidentität zu entwickeln und zu reflektieren und damit Unternehmen selbst auch strategisch erfolgreicher und sattelfester zu machen. Wenn rundherum Veränderung als einzig mögliche Konstante gilt.

Narrative Organisationsberatung bedeutet auch, den Fokus auf die weichen Faktoren zu lenken, die bekanntlich die harten zum Frühstück verspeisen. In Abwandlung von Peter Drucker könnte man formulieren: „Stories eat processes for breakfast.“

Ich freue mich jedenfalls riesig, mit Koryphäen wie Michael Müller, Christine Erlach, Jacques Chlopczyk und Stephanie Bachmair Teil des Lehrteams zu sein. Und fast noch mehr freue ich mich, dass ich nicht nur in der Rolle des Gastdozenten diese Ausbildung mitgestalten werde, sondern auch in der Rolle des Teilnehmenden an dieser Fortbildung, die wir in die Form des Storylabs gießen werden – konkret, interaktiv, erzählend.

Die universitäte Fortbildung „Narrative Organisationsberatung“ startet am 6. Februar 2020 und es gibt noch ein paar wenige Restplätze, wie ich gehört habe. Im Vorfeld sprach ich mit Michael Müller über „Narratives Coaching“ – das Modul, das ich einbringen werde. Mehr zur dieser im deutschsprachigen Raum richtungweisenden Fortbildung an der Hochschule für Medien in Stuttgart finden Sie hier: https://www.narratives-management.de/narrative-organisationsberatung/

 

Innovationen im Sozialen und Narrativen. Ein Blick zurück, zwei voraus …

Das war ein Jahr! In Salzburg offiziell als Dialogjahr ausgerufen, hielt es, was es versprochen hat.

Und das auf allen Ebenen: als wunderbar einprägsames Storycamp in Lingenau genauso wie als verrücktes querDENKRAUM-Format, das ich im Herbst gemeinsam mit Werner Pfeffer durch das Land tragen durfte, als Teil des FIER-Projekts, in dem wir mit fairMATCHING Europaluft inhalierten, genauso wie mit dem Erzählprojekt „VON WO ICH MICH SEHE“ und der Frage, wie „dein Blick auf mich das Bild verändert, das ich von mir habe.“ Hochdialogisch und innovativ geht es auch bei der Vorbereitung des internationalen BEYOND STORYTELLING KONGRESSES in Berlin 2020 zur Sache, wo wir der Macht der Geschichten nachspüren, mit denen wir uns jeden Tag neu erfinden, die aber auch ein Werkzeug sind, um mächtige Diskurse, die uns niederdrücken, zu dechiffrieren.

Das Video-Interview aus der Good News Wochenschau #46 mit Romy Sigl von Anfang Dezember zeigt mir, wie vielfältig die Arbeit ist, die mich vorantreibt. Neuland jedenfalls, wohin man sieht. Und das ist gut so. Denn was wäre ein neues Jahr ohne Überraschungen?

 

querDENKRÄUME

Wir sind heute in der glücklichen Lage, über alles diskutieren zu können. Wir beziehen Position und tauschen sie aus. Bei jeder Gelegenheit geben wir unsere Meinung zum Besten – sozialmedial kompatibel, möglichst pointiert und am liebsten anonym. Dabei suchen wir immer seltener das direkte Gespräch, den Augenkontakt. Die Frage, wie wir gut miteinander reden können, ist vor diesem Hintergrund von enormer Dringlichkeit.

Deshalb haben wir das Schwerpunktjahr “DIALOG 2019 – Der Salzburger Weg der Integration” zum Anlass genommen, darüber nachzudenken, wie wir im Miteinander neue Spiel- und Denkräume aufstoßen können. Jenseits unserer festgefahrenen Positionen und jenseits der Rollen, die wir im Alltag bekleiden. Aber auch jenseits der Meta-Diskurse über Integration. Unserer These folgend, dass Dialog nur entstehen kann, wenn wir bereit sind, das vertraute Terrain zu verlassen und das, was zwischen den Sprechenden passiert, als Neuland zu erfahren.

Aus diesem Nachdenken ist das Projekt querDENKRAUM entstanden. Ein experimentelles Format, das von Werner Pfeffer entwickelt, gemeinsam adaptiert und von uns im Oktober durch das Land getragen wurde – an 7 Abenden mit den 7 Stationen Abtenau, Mittersill, Saalfelden, Rauris, Oberndorf, Tamsweg und Strobl. Dorthin kamen 55 „Meinungsmacher“ aus den Regionen, um zum Thema Integration & Dialog quer zu denken – darunter Bürgermeister_innen, Gastronomen, Kindergärtner_innen, Pfarrer, Lehrer_innen, Flüchtlingsbetreuer_innen und Kulturschaffende. Am Ende spiegelten selbst die Locations die Vielfalt der Gespräche wider: von der Pfarrküche zum Coworking Space, vom Kunsthaus zur alten Schule, vom Kulturzentrum zur Zirbenstube.

Der querDENKRAUM ist ein Laboratorium für offene Geister, bei dem wir uns in zwei hochkonzentrierten und unterhaltsamen Stunden mutig und neugierig dorthin vorwagen, wo Denken sich querlegt und die Diskussionen zum Thema hinter sich lässt. Mit dem Ziel, nicht mehr länger über Dialog zu reden, sondern Dialog passieren zu lassen. Einen Dialogprozess anzustoßen, in dem das kreative Miteinander den Abgleich allzu bekannter Positionen zum Thema ersetzt und Präsenz die oft lähmenden Zielvorgaben.

Dazu haben wir die eigentliche Fragestellung links oder rechts liegen gelassen und bewegten uns, beginnend bei den eigenen, ganz persönliche „Denkinseln“, von ihr weg. Ohne Leitplanken und mit viel Unsicherheit ins Neuland hinein – um dann am Ende des kreativen Tastens und Stolperns die Brücke zur Ausgangsfrage schlagen:

Wie können wir gut miteinander reden?

Dieser programmatische Umweg brachte es mit sich, dass auf dieser Reise die Gespräche selbst zu funkeln begannen und Teil der Ergebnisse wurden. „Ein Ergebnis ist, dass wir gut miteinander redeten. Hier und Jetzt“, wie eine Teilnehmerin das Format auf den Punkt brachte.

Es ist wesentlicher Teil des Projekts querDENKRAUM, dass wir nicht nur über die Ergebnisse reden, sondern auch über den Prozess und das Format selbst, das viele Teilnehmer für ihre eigenen Bedarfe weiterdenken wollen. Und es ist ein wesentlicher Teil der Ergebnisse, dass diese nicht Grundsätzliches zum Wesen des Dialogs oder altbekannte Regeln reproduzieren, sondern sehr persönliche, sinnlich verankerte Sichtweisen auf das Thema offenlegen, die erst im Kontext zu leuchten beginnen.

Das bedeutet auch, dass diese Ergebnisse nicht einfach mit copy/paste ins allgemeine Dialogrepertoire überführt werden können, sondern sich erst im persönlichen Interpretationsraum des Betrachters entfalten. Es sind Begriffe, Redewendungen, Halbsätze, die ganz persönlich gedreht und gewendet werden müssen, damit sie ihr Licht entfalten. Rezeption heißt in diesem Fall, dass man den Begriff, die Wendung, für sich interpretiert und in der eigenen Praxis testet. Die Ergebnisse sind also Prototypen des dialogischen Gelingens.

So können wir heute auf die Frage: „Wie können wir gut miteinander reden?“ mit einigen Beispielen aus dem querDENKRÄUMEN exemplarisch antworten:

Indem wir Ideen loslassen

  • wenn wir sie nicht mehr besitzen müssen
  • wenn wir sie einbringen und freigeben
  • wenn wir sie als Angebot ins Gespräch werfen


Indem wir den Schutzschild runterfahren  

  • und damit angreifbarer, sichtbarer und verletzlich werden
  • und damit Nähe möglich machen
  • und damit leichter und beweglicher werden


Indem wir die eigene Position verändern können

  • weil wir nicht recht haben und gewinnen müssen
  • weil wir bereit sind zu lernen
  • weil wir uns überraschen lassen


Indem wir uns mit brennender Ungeduld inspirieren

  • wenn das Feuer entfacht wird und der Funke überspringt
  • wenn das Vertrauen die Geduld nährt
  • wenn die Neugier den Ton angibt


Indem wir jederzeit ‘geteilte Kompetenz’ denken

  • den Anderen gelten lassen
  • dem Gegenüber Kompetenz unterstellen
  • unsere Positionen teilen


Indem wir gut auch ohne Lösung auseinander gehen können

  • weil ein Ergebnis nicht alles ist
  • weil wir Dinge auch sickern lassen können
  • weil wir bereit sind, im Dialog zu bleiben


Indem wir offen für Zufälle sind

  • uns überraschen lassen
  • nicht ordnend sind
  • die Ungewissheit aushalten


Indem wir zulassen, dass Bruchstellen sichtbar werden

  • keine Angst vor Unterschieden haben
  • andere Kompetenzen wahrnehmen
  • Missverständnisse als Ressource begreifen


Indem wir Visionen öffnen

  • wenn wir etwas im Gegenüber entdecken
  • wenn wir Fragen wirken lassen
  • wenn wir miteinander auf das Verborgene leuchten

Von wo ich mich sehe. EXTENDED

Brücken schlagen. Gratwandern.
Zwischen gestern und heute.

Wer bin ich?
In meinen Augen und in den Augen der anderen?
Wie verwandelt dein Blick auf mich das Bild, das ich von mir habe?

Wo beginne ich? Und wo ende ich?
Bin ich die Antwort schuldig oder mehr die Frage?

Der Weg, den ich gehe, wird erst sichtbar, wenn ich mich umdrehe.
Durch die Spur, die ich hinterlasse und die ich nicht mehr bin.

Nie siehst du mich da, von wo ich dich sehe.

Wir von fairMATCHING wissen, dass die Geschichten, die andere über uns erzählen, beflügeln aber auch lähmen können. Und wie wichtig es ist, die Autorschaft über seine eigene Geschichte einzufordern, jeden Tag, um nicht den Festschreibungen der anderen hinterherzulaufen, ein Leben lang. Daraus ist die Idee für die Ausstellung entstanden, dass wir Wort-Bild-Collagen erzeugen, in denen die Portraitierten in ihrer Individualität sichtbar werden und damit den herrschenden Diskurs über Flucht und Heimat herausfordern.

Das war der erste Teil der Strecke, die ich mit dem wunderbaren Fotografen Enrique Pasquali an meiner Seite zurücklegen durfte. Und dann wurde im Frühjar im Zuge des Salzburger Dialogjahres 2019 die Idee geboren – gemeinsam mit Franz Neumayer und Wolfgang Schick vom Referat 2/06 des Landes für Jugend, Generationen und Integration – diese Ausstellung um Portraits von „Einheimischen“ zu erweitern.

Die Vernissage gab es nun am 12. Oktober im ORF Landesstudio Salzburg, wo die Ausstellung noch bis Ende November zu besichtigen ist, bevor sie als Wanderausstellung durch das Land reisen wird. Das Spannende daran war von Anfang sichtbar und geheimnisvoll: Dass die Portraitierten nicht nur mit dem Betrachter in Dialog treten, sondern auch untereinander.

 

Tasting the Water of the Subersach

© Roswitha Schneider

When I arrived in LINGENAU one day before the camp started I was full of creative tension. A tension which was fueled by one nagging question: How light and enriching and – most important – loved will be the baby we have been carrying with us for about 9 months?

The Subers Ach is a super “Sach”

This was the day before the storycamp started. We were doing some final scouting, some attuning, talking, laughing, swimming, connecting and finally deep listening to the Subersach and the woods voices in the night and alone.

Dann der erste Tag. Schwimmen, Kaffee trinken, Zähne putzen am Fluss. Bevor es hinaufgeht ins Betriebsame. Flipcharts werden geschrieben. Wir kümmern uns um die letzten Details, die so wichtig sind. Kleinigkeiten überall, die es vielleicht ausmachen werden. Egon schaut vorbei, der Hausherr. Und seine Frau, die Elsa, bringt noch ein paar Blumen für die Fensterbänke im Engel. Isabella und Sabrina und all die Heinzelweibchen. Our plenary room starts blooming. As you can see I like to switch languages since LINGENAU – continuously reflecting how meaning is made and celebrating the slowdown which comes along with. This is the one side. On the other side I started to acknowledge the translator in me who is discovering new traces to hit the point – playing with connotations and backstories. Storycamping for me turned out to be the embracing of detours – even when translating.

© Roswitha Schneider

3pm. Registration. People are arriving. 4pm. The beginning and us finally jumping into the water. Welcome. Willkommen in Lingenau. Bienvenido en este pueblo de cuentas. I am overwhelmed how the narrative community is ignoring borders, continents. Can you see our baby? My name is Wolfgang. Wulfgäng. I will re-invent myself in front of you. Transforming into a treasure hunter, a collector of things which make my heart beat faster. Are you ready? To perform yourself through stories? To go beyond your expectations? To embrace the richness in this circus like camp and build on it? To connect? To transform as well?

“Story is a thing that does rather than a things that is.” Bryan Boyd

My beloved John Berger comes to my mind when I look at all the narrative explorers gathering in this room. And “the motorbike with its headlight zigzags up the mountain. From time to time it disappears behind escarpments and rocks and all the while it is climbing and becoming smaller. Now its light is flickering like the flame of a small votive candle against an immense face of stone. For him it’s different. He is burrowing through the darkness like a mole through the earth, the beam of his light boring the tunnel and the tunnel twisting as the road turns to avoid boulders and to climb. When he turns his head to glance back — as he has just done — there is nothing except his taillight and an immense darkness.”

© Roswitha Schneider – klick the picture to get the sound! 😉

Ich sehe die Lichtkegeln, die in der Nacht tanzen. Und höre die Musik von Puma und Hanno. Den Schmetterlingssong, der meine Hymne wird für diese Tage. Wir sind angekommen. Irgendwie. Bunt zusammengewürfelt auf einer Terrasse ohne Ufer. Atmende Silhouetten. Im Licht der Erzählung herausgeschält aus der Dunkelheit, die uns umgibt. Die Grenzen verschwimmen. Alles ist Zirkus. Alles ist angerichtet für die Überschreitung, die wir wagen.

Neuer Tag. Ich erwache am Fluss. Und nehme seinen Rhythmus auf, bevor ich ins Camp wechsle. Marketplace of ideas. Welche Fülle? Wieviel Ordnung in diesem Chaos? Es scheint zu gelingen. Wir öffnen uns hinein in Räume, die aus Dialog gebaut sind. We are opening ourselves into spaces built out of dialogue. Alles auf Augenhöhe. The butterfly is guiding us. Hear! and now. Ich lob den Tag, bevor es Abend ist. Schnitt.

“I like escalators because they never break, they can only become stairs.” Mitch Hedberg

The circus is moving (even my car is moving by itself!) as we are moved. And so many treasures on our way. The woman who jumps out of her garden and tells her story when the story bench is not working. The cautious sharing of moments. The holding space. The laughing together. The giggling corners. The bonfire whispering. The various beginnings. The door openings into the possibility land. Like the wife finding her husband with his young lover, or the empty room of the grandfather in Santiago de Chile 1972 with the sound of a marching mass as background, the girl jumping over the brick wall to attend her gym class, or the lost woman in the Peruvian rainforest: “Suddenly, I was totally lost. The path I was heading for the last hours disappeared. The jungle around me seemed impenetrable. And – what staggered me – it was a jungle without sounds. It was like the rainforest around me took a deep breath in this very moment.” Doors. Possibilities. Inadequacies. Misfits. Matchings. All over. The knots of a network of meanings I discover with my complices around the table.

© Roswitha Schneider

Suddenly, I hear the word coincidence three times in a row. Coincidences? No! Yes! We are there. The world is opening. Secrets all over. Secret connections. Our stories are transforming coincidences into forks. Thats it. Deciding if the train heads to Rome or Paris. And bridging fragile meanings. Story as a bridge? Like the one from Negrelli down at the Subersach? A bridge which is hanging and carrying itself at the same time? I feel close to this bridge. Also because of its simplicity. And its cinemascopic openings in its middle. Windows from where the reality seems looking at me. Von wo sehe ich mich? Als eine sich selbst tragende Hängebrücke.

What do I wanna talk about?

Podcasting at the riverbank. With Patrick und Dani. I am neither problem focused, nor solution focused. I am a storyteller. I am an attorney of manoeuvrability. Ein Anwalt der Beweglichkeit. Geschichten sind weder gut noch böse. Aber es gibt Geschichten, die uns fixieren, einengen, und solche, die uns beweglicher machen, beflügeln. Wir können wählen. Und: Wir können zum Autor unserer eigenen Geschichte werden. Re-Inventing ourselves? Umschreiben, wer wir sind? Es reicht schon, wenn wir zu schreiben beginnen. Und zu gestalten. Im Spannungsfeld zwischen Erfinden und Entdecken uns ausprobieren und überraschen lassen. Listen to the “Go Betweens” when you read this 😉 – between discovering and inventing we find our selfs.

What did suprise me the most? I think it was in the sessions I attended. The moments when theoretical reflection naturally transformed into storywork. It was always like a miracle that happened. Smoothly and light like the baby starts moving. Us. And the organizations we work with. We work in. The communities we live. The world. LINGENAU a lab for experiencing transformation? A lab for Wanderlust?

Saturday. Afternoon. When the doors of the camp are closing I am glad that our circus of half-time astronauts, chansonniers kidnapped by aliens, salon owners, samurias, russion dancers, lion tamers, clowns, shape changers, … has no doors just openings.

How do we enter story? And how do we leave storycamp? I am setting sails now with the deep feeling that I am heading in the same direction my heart, my mind and my stomach want to go. Thats a great feeling. I look back to LINGENAU and see just faces. I see the faces and hear the stories whispering. I hear a whispering and feel my heart beating. I feel this beating and see LIN-GE-NAU. Thanks for happening. Thanks for surprising. Thanks for enriching. Me in my endless guises.

© Andreas Liebhart

Back home, late at night, I am overwhelmed by the night sky. My kids are around me and good friends. My wife. On the mountain tops I can see the bonfires of the midsummer solstice like a chain of gatherings and celebrations. Could this be a secret measurement of what I’ve achieved? Again John Berger gently knocks at the door. I let him in and his quote touches my heart: “We are all storytellers. Lying on our backs, we look up at the night sky. Tracing an imaginary line between a cluster of stars we give them an image and an identity. The stars threaded on that line are like events threaded on a narrative. Imagining the constellations did not of course change the stars, nor did it change the black emptiness that surrounds them. What it changed is the way people read the night sky.“

 

Ein Raumschiff im Bregenzerwald

Ende Juni ist es soweit. An einem Mittwoch Nachmittag. Tag Nummer Sechsundzwanzig des sechsten Monats im Jahr. Kurz nach Sommeranfang. Die Asche der Sonnwendfeuer wird gerade mal ausgekühlt sein, wenn wir unser Zelt in Lingenau aufschlagen.

Einem Dorf an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland, das eine Stimme hat – und viele Geschichten. Lingenau erzählt … heißt das Projekt, das uns gerufen hat. Unseren bunten Haufen aus Story-verrückten Menschen. Marketiers, Branding- und Film-Spezialisten, Organisationsentwickler, Coaches, HR-Dealer, Teamleiter, Führungskräfte, Unternehmenssprecher, Kommunikationsarchitekten, Künstler, Drehbuchautoren, Erzähler, Zuhörer. Menschen, die das Wasser, in dem sie schwimmen, nicht mehr länger verdrängen, sondern kosten. Und durch dieses Kosten auf eine Reise gehen, die ein großes Lernen ist.

Ich trage ein buntes Bild in meinem Kopf. Das Bild von einem Zirkus, das die Vielfalt der Zugänge, Kompetenzen, Angebote und Menschen, die wir dort erwarten, wunderbar transportiert.

circus-bunt

Dieses Zirkusbild wird jedoch hartnäckig von einem anderen überlagert. Dem Bild eines Raumschiffs, das dort landen wird. Es bewahrt mich vor vorschnellen Vereinnahmungen und Idyllisierungen dessen, was wir selbstvergessen Landleben nennen. Da bleibe ich lieber zunächst in der Nähe des Raumschiffs, an der Brücke – wo die mich begleitenden Narrative mit denen des Dorfs und den Menschen, die aus vielen Teilen der Welt kommen, sich berühren. An einem Zwischenraum, der nicht belastet ist von vorgefertigten Positionierungen entlang des abgenutzten Stadt/Land-Schemas, sondern im umsichtigen Miteinander von Menschen entwickelt wird, die eine besondere Nähe zu Geschichten zusammengebracht hat.

Wir wissen nicht, was in Lingenau passieren wird. Was wir, als BST-Team und Veranstalter tun können, ist, den Rahmen sorgfältig zu zeichnen und bereitzustellen, damit dieser offene Raum zu pulsieren beginnt. Und die Geschichten, die wir in uns tragen, Beine, nein, Flügel bekommen.

Lingenau: Wir freuen uns auf dich!

 

Übrigens: Es gibt noch eine Handvoll Restkarten!
Für alle, die noch aufspringen wollen auf unsere illustre Zirkusgemeinschaft oder Raumschiff-Crew: Mehr Infos zum StoryCamp in Lingenau vom 26. bis 29. Juni 2019 finden Sie unter www.beyondstorytelling.com

Key Facts

  • Date: June 26th, 4pm – June 29th, 1pm
  • Tickets: We limited participants numbers to 40 tickets and we are nearly sold out. Make sure to book yours soon – also because the options we put on the hotel rooms in the village are running out with mid of may.
  • Accomodation: Please communicate directly with Sarina Berchtold from the local Tourist Office – Mail: tourismus@lingenau.at or phone: +43-5513-6321 – to get options and prices for booking. Your code word is #storycamplingenau.
  • Community: Meet fellow Story Workers from 10+ countries around the globe, working with stories across different professions and industries
  • Location: A temporary camp, set up in one of the first European Storytelling villages: Lingenau / Austria.
  • Purpose: Time to co-create, reflect and network through Story Circles, jointly hosted sessions and communal dinners
  • What else? Welcome package including some inspirations from our creative department
  • How much? 320 € + VAT including admission, three dinners, snacks and coffee

„Von wo ich mich sehe“ – eine Ausstellung geht auf Reisen

Geträumt haben wir von fairMATCHING davon, als wir die Ausstellung, meisterlich fotografiert von Enrique Pasquali, für das Charity Dinner im Dezember konzipierten. Seit Anfang Jänner ist der Traum einer Wanderausstellung Realität geworden, mit der boulderbar Salzburg als erster Station. Und da beginnt unser nächster Traum, dass sich im Laufe des Dialogjahres 2019 weitere Gesichter mit weiteren Geschichten dazugesellen. Geschichten? Andeutungen. Mehr nicht. Ein zwei Sätze, die in Kombination mit den Bildern gegen jede vorschnelle Kategorisierung stemmen und aus ihrer Individualität heraus immer neue Energie entfalten.

Was war es? Was ist es? Eine Ausstellung? Oder doch vielmehr ein Erzählprojekt, mit dem wir Brücken schlagen wollen zwischen Heimat und Flucht? Wir ahnten, dass es eine Gratwanderung wird, wenn wir Menschen, mit denen wir ein Stück Weg gemeinsam gegangen sind, zum Foto-Shooting und damit auf die Bühne bitten – und wir mit ihnen gemeinsam den Raum durchmessen, von dem aus sie sich sehen und gesehen werden wollen. Kein rigides Fragenkorsett. Stattdessen Präsenz und Dialog und Augenhöhe, um das auszudrücken, was mitunter schwer in Bilder und Worte zu fassen ist.

Es ist uns irgendwie gelungen. Weil wir uns Zeit nahmen. Für jede/n Einzelne/n. Weil wir in den Dialog gingen. Neugierig. Behutsam. Schritte versuchten. Über die Tretminen der Traumatisierung hinweg. Reaktionen spürten. Erschütterungen. Weiterverhandelten um den Weg. Sätze ausloteten. Worte auf die Waagschale legten. Und von allen Seiten anschauten. Und immer wieder miteinander lachten. Trotzdem lachten. Vertrauen schenkten. In beide Richtungen. Dankbar waren. Für die Nähe über die Ferne hinweg. Es ist uns irgendwie gelungen. Die Reaktionen der Betrachter_innen legen es nahe. Das Ergebnis sind Sätze und Bilder, die Geschichten andeuten, die im Auge und Herzen der Betrachterin weitererzählt werden. Gänsehaut ist garantiert.

Schaut euch das an!