Zeit für Neues ?!

Viel war in den letzten Monaten die Rede davon, dass es so nicht weitergehen kann. #corona stellte uns allen die Rute ins Fenster, durch die plötzlich greifbar war, was alles möglich ist, wenn es darauf ankommt. Dass dieses Mögliche sich darauf beschränkte, das System, so wie wir es kannten, im Namen des Lockdown herunterzufahren und im Kampf gegen einen äußeren Feind auf kontrollierte Gleichschaltung zu setzen, war der pandemischen Realität geschuldet. Der eigentliche Möglichkeitsraum – im Innen und Außen – blieb davon vorerst unberührt.

Mittlerweile ist #corona Teil unseres Alltags geworden. Wir lernen langsam, mit der Bedrohung zu leben. Und wir lernen, dieser Bedrohung den Ort zuzuweisen, der ihr gebührt. Erste vorsichtige Umarmungen zeigen es. Die neue Normalität ist die alte, die sich dabei über die Schulter sieht. Wir bewegen uns einfach etwas bewusster, das heißt, wir schauen uns bei der Bewegung zu. Wir vermeiden die Nähe zu Fremden und entscheiden sehr genau, wo wir das Risiko des Hautkontakts in Kauf nehmen. Was es nicht oder kaum mehr gibt, ist gedankenlose Nähe. Was es mehr gibt, ist vorsätzliche Nähe. Zufällige Verdichtungen in Gestalt von Ansammlungen sind verpönt, weil sie die Möglichkeit in sich tragen, nachträglich als #cluster stigmatisiert zu werden.

Nichts mehr erwarten

Der Sommer ist bald vorüber. Es war ein schwammiger Sommer, wie Christiane Bertolini in einem klugen Brief, der den Weg in meine Inbox fand, festhält. Nicht Fisch noch Fleisch. Auch die wieder zunehmenden Kondensstreifen am Himmel, die zeigen, dass das milliardenschwer unterstütze Alte keine Schwerkraft besitzt, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass gedankenloses Fliegen wohl der Vergangenheit angehört. „Ich war nicht ganz rund mit dem Sommer, solange ich überlegt hab, ob ich was und was ich von ihm will,“ schreibt sie. „Seit ich beschlossen hab, mir nichts von ihm zu erwarten und einfach bei mir in meinem üblichen Umkreis das zu machen, was ich sowieso vorhatte, bin ich tiefenentspannt. Es ist in den besonderen Umständen noch empfehlenswerter als sonst sowieso auch schon immer, dort zu sein, wo das Klima in jeder Hinsicht für einen passt.“ In jeder Hinsicht! – eine starke Ansage. Das Glück besteht in diesem schwebenden Dazwischen, das sich Sommer nennt, besteht darin, die Erwartungen zurückzuschrauben und das, was man hat, wertzuschätzen.

Mittlerweile steht der Herbst vor der Tür und man muss kein Prophet sein, wenn man diese Tage als Ruhe vor dem Sturm liest. Denn im Herbst wird sich zeigen, wie es um den neuen Alltag bestellt ist. Wenn unsere Kinder in die Schule gehen und die erste Grippewelle die Symptome neu mischen wird. Wenn viele von uns verschnupft sind und husten, wird kaum zu sagen sein, wo die Grippe aufhört und wo #corona beginnt. Eine Frage rollt auf uns zu, die wir nicht mit Ein- und Ausschließungen beantworten werden können. Denn das Virus, das wissen wir längst, kommt nicht mit dem Auto aus Kroatien, auch wenn es sich die populistisch verseuchte Politik gerne so einfach machen würde.

Der Unterschied in uns

Der Herbst wird auch zeigen, wer bereit ist, das Neue zu denken. Das Neue wohlgemerkt, und nicht belanglose Neuigkeiten oder halbherzige Innovationen, die am Ende alles beim Alten belassen. Gregory Bateson sprach vor bald 50 Jahren vom „Unterschied, der einen Unterschied macht.“ Ich lese hinein in ein Buch, das vor 30 Jahren mein treuer Begleiter war. ‚Rayuela‘ von Julio Cortázar. Darin träumt der grübelnde Held Oliveira von einem Zufluchtsort, den er den „Kibbuz des Verlangens“ nennt und verbindet die Kibbuz-Idee mit dem Bild vom Kinderspiel Himmel und Hölle, in dem man ein Steinchen geschickt von einem Kreidefeld zum anderen kickt, bis es zuletzt glücklich im letzten, dem Himmelsfeld, landet. Dass Himmel und Hölle auf einer Ebene und nur einen kleinen Kick voneinander entfernt sind, kann kein Zufall sein. Wer das Spirituelle fassen will, muss „durch das Arschauge hindurch“, wie er es nannte. Als ob wir dort, wo wir uns vom Unverdaulichen trennen, Augen hätten. Das Tor in den Möglichkeitsraum steht jedenfalls nicht sperrangelweit offen.

So wird es auch mit dem Neuen sein, denke ich mir, das hinter dem Ornament und unter der beschönigenden Phrasierung im Ungeschminkten zu finden ist. Vor diesem Hintergrund ist „Design Thinking“, der langsam an der Visions-Workshop-Decke verhallende letzte Schrei im Reich des Kreativen nur eine Fingerübung für Mutlose. Warum? Weil es nicht ausreicht, dass man andere Sinne hereinbittet und Manager basteln oder malen lässt. Wenn die Öffnung nicht stattfindet, wird mit anderen Mitteln nur das wiederholt, was man kennt bzw. kann. Und das um so sicherer, je ungewöhnlicher das Metier ist. Weil niemand sich bloßstellen oder blamieren will, bleibt das Lernen und mit ihm das Neue auf der Strecke. Wir bleiben im Modus des Downloading, wie Otto Scharmer es nennen würde, indem wir gekonnt auf alte Muster zurückgreifen und unsere Vermeidungsstrategien beklatschen.

Nur, um das wirklich Andere fernzuhalten, das uns zwingen würde, die liebgewordenen und gemütlichen Denkbahnen zu verlassen. In seinem Backwards-Brain-Bycycle-Experiment zeigt Destin Sandlin, was das in der Praxis heißen kann. Und dass Wissen oft nicht weiterhilft, wenn es darum geht, etwas anders zu tun.

Gerne vergessen wir die tiefgreifende Dimension, die jeder Veränderung innewohnt. Und dass sie ohne Verlust nicht zu haben ist. Wer Veränderung ernst nimmt, weiß, dass Visionen eine Öffnung des inneren Horizonts vorausetzen und sich nicht in fünf Minuten abrufen lassen.

Und wer Öffnung ernst nimmt, wird sich und anderen Raum geben für das Unbekannte, das Ungewisse, das Überraschende, das Experiment, das Abenteuer. Diese Öffnung in Richtung Phantasie muss durch uns hindurchgehen, um am anderen Ende die Sprache zu finden, die sich gegen den bestehenden Diskurs wendet. Phantasie und Widerstand gehören zusammen. Das Hasenloch, das uns ins Wunderland führt, liegt nicht am beschilderten Weg, der sich im Status Quo verliert. Es sind die Brüche in der Oberfläche, die zufällige Irritation in einer glatten Welt, die uns vom Erwarteten zum Unerwarteten führt.

Das Neue wird ein Beben sein

Und dabei drehen wir uns um uns selbst. Formen uns, indem wir Form geben. Gestalten uns neu, indem wir gestalten. Gewissheit ist dabei der schlechteste Berater. Wer vorher weiß, was herauskommen soll, kann zuhause bleiben. So beginnt Kreativität, indem wir aussteigen. Aus unseren täglichen Geschäftigkeiten. Und auf die Bremse steigen. Bis wir anhalten und hören und sehen. Und darauf warten, dass uns Hören und Sehen vergeht. Da geht es nicht um Innovation. Da geht es um die Bedingungen der Möglichkeit von Imagination oder Vorstellungskraft, die eine Art geheime Quelle für Ideen ist. Um einen Ort, wo sich der Riss öffnet und das Licht des metaphorischen Raums eintritt.

Dieser Ort ist ein Ort des Staunens, der Nullpunkt des Neuen in der Welt. Ein Ort, wo wir nicht mehr wissen, was wir jemandem schulden oder was jemand uns schuldet, wie der Mythologe Joseph Campbell festhält: “Du musst einen Ort haben, an den du gehen kannst, in deinem Herzen, in deinem Geist oder in deinem Haus, einen Ort, wo du nicht weißt, was deine Arbeit ist oder für wen du arbeitest, wo du nicht weißt, mit dem du verheiratet bist und wer deine Kinder sind.

Erst, wenn wir diesen Ort gefunden haben, werden wir uns berühren und von dem, was wir gestalten, berührt sein. Von dort aus können wir beginnen, die Welt neu zu denken. Das Neue wird ein Beben sein, oder es wird nicht sein. Was der Surrealist André Breton über die Schönheit sagte, gilt auch für das Neue in uns und in der Welt.

Haben wir Zeit dafür?

Totgesagte leben länger?

Bevor etwas untergeht, gibt es meist eine Phase des Aufbäumens, des überdimensionierten Auslebens dessen, was zum Untergang verurteilt ist. Das lehrt uns die Geschichte.

Als die neue Beschleunigung im Zuge der Industrialisierung immer größere Bereiche der Gesellschaft erfasste und sich anschickte, omnipräsent zu werden, gab es in Paris eine Schildkrötenmode, in der es schick war, Schildkröten als Haustiere zu halten und sie beim Gassi-Gehen flanierend durch die Stadt zu begleiten. Das passierte im Jahr 1838, einen Frühling lang, wie man dem Passagenwerk von Walter Benjamin entnehmen kann, und ward nie wieder gesehen.

Heute ist dieses Industriezeitalter selbst am Untergehen. Und mit ihm ein Managementmodell, das auf Kontrolle, Gehorsam und Gleichschaltung baute. Jeden Tag lesen wir von der Wiedererfindung dessen, was Unternehmen sind und sein können (Fréderic Laloux) und von neuen Führungs- und Organisationsmodellen, die ohne Hierarchie auskommen (Holacracy, Soziokratie, Open Culture). Und weil diese theoretischen Diskurse mittlerweile durch viele Best Practices gestützt sind, sind wir umso erstaunter, wie klassisches Management an vielen Orten noch einmal für kaum denkbar gehaltene Wucherungen sorgt.

Und das nicht erst seit #corona. Natürlich gab und gibt es die uns als Digitalisierungsoffensive verkaufte Aufwertung des Home-Office. Aber was, frage ich Sie, hat sich damit geändert? Außer vielleicht, dass die informellen Informationsflüsse, die eine hierarchisch sanktionierte Verordnungskultur unterwandern könnten, noch schwieriger geworden sind. Weil Selbstdenken und Eigenverantwortung in vielen Fällen immer noch als störend empfunden werden, gerinnt das vielgepriesene Home-Office-Wunder zum digitalen Dienst nach Vorschrift, während das Neue auf der Strecke zu bleiben droht. Abarbeiten von Tasklisten ist angesagt.

Aber wie lange kann das gut gehen?

Parallel dazu treibt Mikromanagement, das so ziemlich das Niederträchtigste ist, was einem im Unternehmensalltag zustoßen kann, groteske Blüten. Ich weiß es aus eigener Erfahrung: Wie schnell es gehen kann, dass man als selbständig denkender Entrepreneur seiner Arbeit und seines Lebens am eigenen Leib spüren muss, wie ein monströser und bis ins Detail exekutierter Kontrollwahn jede Motivation und jede Eigeninitiative mit Füßen tritt. Und wie viele, die in den Einflussbereich dieses Management genannten Totalverlust des Vertrauens kommen, die darin unausgesprochen vollzogene Abwertung zu bestätigen. Der Hypnotherapeutiker Gunther Schmidt nennt diesen Zustand, in dem die Mitglieder des Systems ihr Verhalten in Richtung Systemstabilisierung ausrichten, „Regeltrance“.

Regeltrance. Das ist der Zustand, in dem #corona viele Menschen und Unternehmen gefangen hält.

Wir wissen, dass alles anders werden muss, tun aber ein bisschen so weiter, als ob nichts gewesen ist. Ich will die Krise nicht herbeireden, aber sie hat sich schon längst in unseren Köpfen breitgemacht. Wir wissen, dass da was faul ist – Stichwort #commerzialbank, Stichwort #wirecard –, aber wir denken, dass das schon passen wird, wenn es außer uns niemand sieht. So machen wir weiter in unserem kleinen überschaubaren Regeluniversum, obwohl wir wissen, dass jetzt nur die großen Würfe zählen. Doch wir fühlen diese Müdigkeit in unseren Gliedern, wie der träge gemachte Frosch im langsam erhitzten Druckkochtopf, der seine Kräfte nicht mehr bündeln und das System verlassen kann.

Was mich trotzdem wach und am Leben hält, sind die Momentaufnahmen in meinem Kopf, dass es auch anders geht. Dass es die Sehnsucht gibt nach einem glücklichen Leben. Ich denke an den Film SANS SOLEIL von Chris Marker, der mein Leben nun schon seit vielen Jahren begleitet. Er beginnt mit einer Vulkanlandschaft auf Island. Und mit Kindern, die durch das Bild laufen. Dazu spricht eine hingehauchte Frauenstimme aus dem Off die folgenden Sätze: “The first image he told me about was the three children on a road in Island. In 1965. He said that for him it was the image of happiness and also that he tried several times to link it to other images. But it never worked. He wrote me: ‘One day I have to put it all alone on the beginning of a film. With a long piece of black leader. If they don’t see happiness in the picture, at least they’ll see the black.’”

Wenn solche Bilder ihre Kraft entfalten, kommt der Mut, es jetzt und endlich ganz anders zu machen, von allein.

Über die Macht der Worte

Mitte Juli traf ich Günther Wagner im Hotel Heffterhof, um ein Gespräch zu führen für seinen „Out-of-the-Box“ Podcast. Oder sollte man besser sagen „Beyond-the-Box“ –, um dem Missverständnis zu begegnen, dass dabei ready-made-Gedanken „aus einer Box“ geklaubt worden sind?

Das Schöne an diesem Gespräch war, dass wir ins Miteinander-Bauen gingen und dabei über jede Menge Untiefen, Einsichten und Überraschungen stolperten. Weil wir uns gegenseitig immer wieder dazu einladeten, aus den abstrakten Höhen herunterzusteigen und am Erfahrungsgrund zu verweilen. Dort, wo Geschichten ganz konkret sind, wo Bilder sich die Hand geben und wo Worte, in die wir unsere Erfahrungen kleiden, „lichthaft“ und damit mächtig werden.

Die Stunde verging jedenfalls wie im Flug.

Den Podcast gibts hier zum Anhören.

Web: https://lnkd.in/gC53wqW
Spotify: https://lnkd.in/gfTZN_A
iTunes: https://lnkd.in/gM6T2fj

Freue mich auf Feedback!

Just big enough?

I began to work the clay of my own life again,
to mold the territory of my own belonging.
David Whyte

It all begins with stepping out of our every day life’s business and busyness. With breathing. Decelerating. And then, stepping into a world that is no longer codifying the story of analysis and separation. Leaving behind the never ending black and white. At the altar of gobal connectedness we sacrifice our local intimicy. And this not just since #corona.

Our new pillow book POWER OF STORY I STORIES OF POWER is trying to de-construct discoursive dominance, and re-construct the value of the plural of creation. Change starts with reflexivity. That we have learned. And that we suffer from.

Collectively, we find ourselves in a boxing ring without spectators, frozen in a fighting mode: We secure our borders to create fortresses against migration, we are at war with a virus, we fight against unemployment and climate change. It seems that “war stories” are central to our way of world making.

Making home
Without refuge, in moments of crisis and fear, we run backwards to old stories of the past. But the grand narratives of the 20th century do no longer provide a shelter. Closing borders or othering people based on single traits, defining enemies to fight against, will not save us.

Climate change and SarsCoV-2 show us forcefully, that we can not live against the world but need to find a way to live with it. And feeling home is probably not bound to the place we were born or one single story, but something that is constantly in motion like the world that surrounds us.

The Austrian writer Christoph Ransmayr sees home as a “narrow stretch of land that leads through childhood and through the hearts. Beyond it, everyone is a stranger, a foreigner or a refugee and depends on the help and support of natives.” We get what we give. And the question is if we show up as colonizers or refugees. We will be welcomed accordingly.

It is about the stories we use to make stories. Stories of diversity, multitude – breathing stories – that accommodate the changing dynamics of life. Local stories, small stories, just big enough stories. Stories of interconnectedness and synchronicity. Stories without copyright, fluid stories. Ready to be shared like seeds, planted along the curves of COVID-19, creating edible gardens. Serve yourself, there is enough food for everyone.

Openings
As people concerned with transformation and change, our concern is and should be about the flow of the story and restoring the ability to maneuver, to act, to set one foot before the other, unearthing the potential to remove obstacles for development and new insights:

Sometimes it needs a name for a story not yet written, to clear the path, to open doors into the unknown, to think, feel and act differently. In some cases, this naming can be a first step to leave the story behind, to heal and to move on. In some cases, it needs a re-naming of an all-to-familiar story, to find a different opening, a different meaning in it. And sometimes we have to resist the naming and suspend the meaning, so that different doors are unlocked.

Being present with the process of not-naming, naming, and re-naming is the work. Opening cracks, so that light can shine. Opening passages, opening doors. Story-Work.

Enjoy our offerings in this big enough book!
You can order it in our bookstore

 

 

 

 

 

 

Schatten und Licht

Anlässlich des ECU Awards unseres Films „SHADOWS OF LIGHT“ als BEST EUROPEAN DOCUMENTARY (und um die Wartezeit zum Film-Release zu verkürzen) mein Portrait von Barth für die „gangart“, mit dem für mich alles begonnen hat.

Die okkulten Welten des Bartholomäus Resch entziehen sich seit Jahren den vorschnellen Einordnungen der Talbewohner. Dass da oben am Berg nicht alles mit rechten Dingen zugeht, darüber sind sich auch die wohlwollendsten unter ihnen einig. Auch wenn sie es mit einem Augenzwinkern sagen und der Überzeugung, dass die herkömmlichen Kategorien von rechts und links im Augenschein dessen, was da passiert, ohnehin zerbröseln – wie das wehrlose Holzscheit im wilden Tanz des Feuers.

© Foto: Miriam Häusl

Einmal im Jahr rund um die Sommersonnenwende wird die Neudegg Alm am Fuße des Tennengebirges für drei Tage zum Nabel der Black-Metal-Welt. Oder war es die Black-Trash-, Speed-Death- oder doch die Funeral-Doom-Welt? Egal. Googeln Sie nicht! Was sie im Wiki-Netz dazu finden, versucht sich in trüben Zuweisungen und wird dem nicht gerecht, was dort oben auf der Neudegg Alm an Heidnischem, Spirituellem und Sphärischem unter dem strengen und achtsamen Blick des Abtenauer Zeremonienmeisters Bartholomäus Resch eine ganz individuelle Prägung erfahren hat.

Und auch Barth, wie die Einheimischen ihn nennen, scheint sich jedenfalls herzlich wenig um die landläufigen Einordnungen zu kümmern. Er will Bands hierher holen, die eine epische Breite mitbringen und keinem monotonen Schema folgen. „Stell dir vor, du sitzt allein in einer Almhütte und draußen greifen 30.000 Bären an. Und jetzt stell dir eine Musik vor, die diese Bären aufhält. Dann weißt du, was hier im besten Fall über die Bühne geht. Ein Musiker ist ein Krieger im Dienste der Transformation.“ Auf meinen Einwand, dass das für einen normal sterblichen Talbewohner wahrscheinlich nicht leicht zu verstehen ist, bringt Barth überraschender Weise ein Beispiel aus der russischen Programmmusik: „Nimm Mussorgski: Eine Nacht auf dem kahlen Berge – das ist Brutalität pur und mehr als hundert Jahre alt. Das hat schon auch was mit Ignoranz zu tun, dass die Leute glauben, sie können alles sofort verstehen, auch wenn sie sich 30 Jahre nicht mit Musik beschäftigt haben. Instant-Music aus der Dose gibt es hier heroben nicht.“

Die Hexen, die in der Musik Mussorgskis in der Johannisnacht tanzen, sind ihm wichtig, weil sie Trägerinnen geheimen Wissens sind und als solche immer schon verfolgt wurden – von denen, die für sich das Licht pachteten. Barth hat immer schon die Schatten gesehen, in das Dunkle geschaut. Schon als Ministrant wusste er, dass es da etwas anderes gibt. Und er hat die Angst der Menschen gesehen, die Dinge zu hinterfragen und sich auf das einzulassen, was unter der oft scheinheiligen Oberfläche brodelt: das Mystische, das Magische, das Heidnische, Unverfälschte.

Wenn Barth spricht, kommt es vor, dass er – sich selbst überholend oder in Frage stellend, so genau weiß man das nicht – immer wieder ganze Worte verschluckt. Ist es, weil eigentlich ohnehin zu viel geredet wird auf dieser Welt, wie er sagt? Oder ist es das Mikrofon auf dem Tisch, das dem Wort eine Bedeutung verleiht, die ihm nicht zukommt? Barth beschönigt und frisiert nichts. Er liebt das Ungeschliffene, wo die Materie zum Vorschein kommt. Heutzutage, in der jeder etwas gilt, der in einer ansprechenden Form Banalitäten von sich gibt, ist einer wie er – mit einer Kartoffel im Mund, der aber hinter der Kartoffel unendlich viel zu sagen hat – eine latente Provokation. Seit Jahren kocht er hier heroben auf der Neudegg Alm sein eigenes Süppchen und steckt die ganze Energie, die er in sich trägt, in die Entwicklung dieses Orts und seinem Festl, wie er es nennt, weil ihm der Langbegriff „Festival“ schon wieder affig und gekünstelt vorkommt.

Blindness will transform into vision …

Mit dem „House of the Holy“ hat der „Funkenflug“ – als Initiationsritus zur Sonnwende – 2017 eine neue Stufe erreicht. Nicht was die Besuchszahlen angeht, sondern in punkto Spiritualität. Mit den paar Hundert Leuten, die auch dieses Jahr aus allen Teilen Europas den Weg auf die Neudegg Alm gefunden haben, ist dieses alpine Metal-Open-Air am Zenit, was die Kapazität angeht und auch, weil dem Barth eine gute Nachbarschaft zum Winterer Bauern wichtig ist, der seinen Wiesen für die Metal-Camper zu Verfügung stellt. „Und die Tiere rundherum? Haben die nicht ein ganzes Jahr daran zu knabbern an dieser 3-tägigen Brutalbeschallung?“, frage ich ihn. Barth lacht und schüttelt energisch den Kopf: „Den Tieren taugt es, die Kühe kommen sogar näher zur Musik heran, wenn es beginnt. Und in der Nacht sehe ich die neugierigen Lichter des Wilds. Wir dürfen nicht unsere Kategorien über alles werfen. Die Tiere, die kennen die Mächte der Dunkelheit. Die wissen, was da abgeht.“

Wir sitzen vor seiner Hütte, die während des Festivals die Bühne ist, auf einer Bank im Zuschauerraum. Dahinter stellt der Hang sich auf und zieht nach oben in Richtung Wald, wo ein Feuerkreis das kontrapunktische Kraftzentrum zum Bühnentreiben markiert. Es ist ein besonderer Platz, uneinsichtig und gut versteckt hinter der Pailwand, mit dem Rücken zu Abtenau und offen in Richtung Bischofsmütze, diesem Mahnmal der Vergänglichkeit. „Jeder Platz ist besonders“, kontert er, „und jeder Platz kann so ein Zentrum sein. Es kommt darauf an, was du daraus machst. Wenn du Energie zuführst, dann passiert auch was.“

Und so hat er, der „Housemaster of the Holy“, diese enormen Felsblöcke über die Jahre mit unheimlichen Kraftaufwand dem Wald entrissen und in Kreisform rund um das Feuer platziert, damit die Energie hier fließen kann. Nicht so wie unten im Markt, der sich freiwillig seiner Kraftquelle, des Fischbaches, entledigt hat – dort, wo sein Zentrum ist: Wie kann man nur auf die Idee kommen, eine Kraftader wie diese einfach zuzubetonieren? Für den Barth ist das ein Skandal, aber auch symptomatisch für die Verfasstheit vieler Menschen unten im Tal, die den Bezug zur Natur und zur Kraft verloren haben. „So geht man mit dem um, was einem mitgegeben wurde. Und dann wundert man sich, wenn das Feuer ausgeht. Dabei ist Abtenau ein gesegneter Boden. Was da möglich wäre, wenn die Leute wieder einen Zugang zu ihrem inneren Feuer hätten. Und weiter gedacht: Wenn die 8 Millionen Menschen, die in Österreich jeden Abend mindestens zwei Stunden in die Glotze starren, diese Zeit stattdessen in guten Gesprächen oder mit Nachdenken verbringen. Wir hätten 16 Millionen bewusstseinserweiternde Stunden pro Tag.“

Wir lassen den Blick schweifen, während die Dämmerung alles in ein bläuliches Licht taucht. Rüber zum Traunstein und zu den Schafzähnen zwischen Tagweide und Hochkarfelderkopf. Und rauf zum Schober, dem Berg, der ihn am meisten inspiriert, weil er von hier herunten, wo wir sitzen, wie eine Pyramide aussieht. Da kann es schon mal vorkommen, dass über seine Spitze die grünlichen Nordlichter tanzen – wie heuer im Mai, als sie nach 14 Stunden Jam-Session in der Nacht aus der Remise traten und ungläubig in den Himmel schauten. Barths Augen leuchten. Die Remise, der etwas andere Werkzeugschuppen, ist ein dem Wikinger-Langhaus nachgebauter Blockbau, der als Probe-, Ausstellungs- und Zeremonienraum zum Tempel der Metal-Musik wurde. Auf die Idee kam er bei der Heimfahrt aus Norwegen und wie es beim Bartl so ist, war da nicht nur die Idee, sondern auch das Feuer, das aufloderte, um diese ohne Umweg umzusetzen. Zuhause angekommen trommelte er ein paar Komplizen im Geiste zusammen und dann wurde gebaut – zwei Monate lang, in minutiöser Handarbeit. Am Ende fehlen auf 12 Metern Länge ganze zwei Zentimeter zur perfekten Kathedrale. „Das kann man durchgehen lassen“, meint er und hebt dabei stolz die Mundwinkel.

Ich denke an den Ministranten von damals und frage Barths, wo die Reise begann, die ihn hierhergeführt hat. Die begann früh. Als Kind. Der Sohn des Tholmai erzählt von seinem Kirchendienst und von Pater Raphael, seinem entkräfteten christlichen Mentor: „Er hat mir viel gezeigt. Auch den Zugang zu okkultem Wissen. Er hat mein Fragen ermutigt und das Feuer in mir entfacht – egal was die Leute über ihn heute denken.“ Und dann war da dieser Koffer voll mit verbotener Musik, der in der Eni-Tankstelle vergessen wurde. „Ich glaub, den hat mir der Teufel dort hinterlegt,“ meint Barth mit einem breiten Grinsen. Jedenfalls wusste er schon damals, er war gerade elf Jahre alt, dass dieser Koffer für ihn bestimmt war. Er nahm ihn mit, um dann mit ein paar ausgesuchten Freunden, an einem Platz, wo sie niemand stören konnte, sein eigenes Initiationsritual in Sachen Metal-Music zu zelebrieren. Von da an war ihm nichts mehr heilig. Oder besser: von da an war ihm vor allem alles Dunkle heilig, was für die Heilsverantwortlichen im Tal so ziemlich auf dasselbe hinauskam: „Weil sie nur am Wegwischen sind, am Putzen, am Zurechtbügeln, am Glätten und Verdrängen. Und so tun, als ob das Licht keinen Schatten werfe. Aber niemand sagt einem, dass man durch die Dunkelheit hindurch muss, wenn man das Licht sehen will. Ja mehr Licht du reinlässt, umso heller bist du. Aber wenn du rausschaust in den ewigen Abgrund des Universums, dann schaut es zurück. Abgründig. Wie jedes Licht dem Schatten folgt.“

All good things are wild and free …

Und so hat sich Bartholomäus Resch auf den Weg gemacht und ist durch die Nacht gegangen. Wortwörtlich und bildlich zugleich, dem Feuer vertrauend, das in ihm lodert. Er war bereit, sich seiner Angst zu stellen, den wilden Kerlen solange in die Augen zu blicken, bis sie ihn zum König machten. Und so hat er sich schließlich auch mit den Toten verbündet und mit den Nächten, in denen sie tanzen. Dabei ging es ihm nie um das Dunkle allein, sondern um den Übergang. Die Transformation, die das Leben ausmacht. Wer wachsen will, braucht eben beides. Der Schatten nährt sich vom Licht. Beim Barth war es letztendlich ein kleines Ritual, das ihm die Augen öffnete, „in der tiefsten Schwärze, die man sich vorstellen kann“, wie er sagt. „Ich war komplett leer und musste mich neu zusammenbauen. Stück für Stück.“

Seitdem ist vieles anders. In der Zeitrechnung des Bartholomäus, den die Bibel den „Mann ohne Falschheit“ nennt, hat das Jahr 13 Monate, nicht die bereinigten zwölf, an die wir uns klammern. „Wenn du die zwölf Mondmonate zusammenzählst, bleiben 12 Tage übrig. 12 Tage und 13 Nächte, die als die toten gelten, aber auch als die offenen, in denen das wilde Heer von Odin durch die Luft fährt und jeden mitreißt, der ihm begegnet.“ In diesen Raunächten zwischen 21. Dezember und 6. Jänner, von denen Barth spricht, sind die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt und die Grenzen zu anderen Welten porös. Wer in diesen Nächten seine Wäsche aufhängt, läuft Gefahr, dass die Toten sich darin verfangen. „Warum ist 13 eine Unglückszahl?“, fragt er mich unvermittelt und gibt sich selbst die Antwort: „Um Angst zu schüren und alles, was anders ist, zu stigmatisieren. Was ankommt ist: Bleib daheim. Es ist gefährlich, in dieser Zeit draußen zu sein. Wer redet schon darüber, dass mancher um diese Zeit auch die Tiere verstehen und hellsehen kann?“ Wieder ist sie da, die Angst. Diesmal als Angstmache von denen, die alles unter Kontrolle haben wollen.

Raunächte, germanische Mythen, Runenzeichen, Metal-Musik. „Wie ist das eigentlich mit dem rechten Gedankengut, das immer wieder in diesem Zusammenhang auftaucht?“, will ich von ihm wissen. „Das ist ja alles schon seit Jahrtausenden da. Und wurde dann von anderen benutzt – wie von den Nazis in einem System, das Tod und Vernichtung gebracht hat. Aber daran ist nicht dieses alte Wissen schuld. Man kann alles verbiegen, wenn man will.“ Es wundert nicht, dass für Barth politische Kategorien wie links und rechts nur Krücken sind: „Wenn du mit deinem Herzen hinschaust, siehst du sofort, was gut und schlecht ist. Ein gesunder Mensch steht ohnehin in der Mitte, mit beiden Beinen auf der Erde unter sich und dem Himmel über sich. Wir haben soviel Missgunst und Neid und Hass in uns, aber niemand ist bereit, auf den anderen zuzugehen und zuzuhören. Auch das hat mit Angst zu tun.“

Wer auf der Neudegg Alm satanisches, rechtslastiges Gedankengut erwartet, wird enttäuscht sein. Zwar gibt es das düstere, auf den ersten Blick ein wenig abschreckende Erscheinungsbild der Menschen, die sich hier versammeln – schwarze Kleidung, Nietenschmuck, Gesichtsbemalung – aber unter der Oberfläche sind diese Menschen höflich und zuvorkommend. „Das ist der Spirit hier, das spürst du, wenn du hochfährst. Jeder ist willkommen. Wer aber Ideologien verbreitet oder dieses Musik- und Feuerritual für seine Zwecke missbrauchen will, hat hier heroben nichts verloren.“ House of the Holy. Was heißt das eigentlich? „Dass du dein eigener Tempel bist und nur dich selbst verändern kannst. Und wenn du das tust, wird der Funken überspringen. Deshalb ist das Feuer so wichtig und dass du es weitergibst.“

Es gibt einen Film von Chris Marker, der hat den Titel „Sans Soleil“ – ohne Sonne. Sein Motto entnimmt er der Erzählung über eine chinesische Prinzessin, die Listen liebte und irgendwann auf die Idee einer Liste von Dingen kam, die das Herz schneller schlagen lassen. Der Barth ist, wenn sie so wollen, die Negativform dieser Prinzessin. Ein erratischer Block von einem Menschen, uneben, roh und mit scharfen Kanten. Aber er hat dieselbe Liste im Kopf.

Bartholomäus Resch. Fotografiert von Mike Drechsler

Übertragung als Erlösung

Corona. Kann dich nicht mehr hören. Du geschwätziges Monster. Mit gespaltener Zunge. Du redest von meiner Sicherheit und meinst bloß deine Kontrolle.

Du sagst, dass wir die Zeit nutzen sollten, um in uns zu gehen und förderst doch nur panische Geschwätzigkeit.

Ich hyperventiliere Information und trete dabei auf der Stelle. Ich verzehre mich nach der neuen Qualität, von der alle solange labern, bis nichts mehr von ihr spürbar ist.

Covid-19 ist das Virus der Extrovertierten. Die ihre alten Hemden ungewaschen ins neue Online hängen. Corona – behalte deine Krone.

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Die Krisengewinner genießen die Krise. Und die Zukunftsforscher zerreden das Morgen, ohne jemals im Heute angekommen zu sein.

Corona, du Fratze. Du redest davon, dass wir uns neu erfinden müssen und meinst doch nur, dass wir uns anders verkaufen sollen.

Du meinst, dass etwas Abstand uns allen gut täte und ich bin beinahe versucht, dir beizupflichten. Etwas Abstand zu allem täte uns allen gut. Auch etwas Abstand zu den eigenen Vorgefasstheiten und Ängsten.

Ich bin für die Krise geboren. Angstfrei zähle ich die Stunden, die mir bleiben. Und denunziere mich, wo ich kann. Weil ich mir selbst misstraue. Der Überträger in mir wirft sich dem Untertan zum Fraß vor.

Ich befolge die Anordnungen, die ich mir selbst auferlege, punktgenau. Heiliger Basti, gehe nicht ein unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Lass mich dir folgen. Lass mich dein Hund sein.

Corona. Du Aas. Was hast du aus mir gemacht? Warum treibst du uns so vor dich her? Als ob wir noch etwas vor uns hätten.

Sag jetzt nichts. Halt einfach die Luft an. Und vergiss deine billigen Antworten! Ich will die Frage, die mir Gänsehaut macht.

Lass mich in Ruhe mit deinen Online-Parties. Ich werde solange zuhause bleiben, bis ich dich wieder berühren darf.

Die Schönheit wird ein Beben sein, oder sie wird nicht sein. Ohne Erschütterung hat nichts einen Sinn.

Gib mir mein Leben zurück. Aber nicht die Normalität, die damit verbunden war.

Du liebes Kind. Corona.

In meiner Gespaltenheit berührst du mich, beinahe zärtlich.

How woke are you? And is it enough?

Just stumbled UPON a new term: Wokeness – the new, heightened form of political correctness, as I read in the Neue Züricher Zeitung. And of course I also wonder what this has to do with the topic of our conference: POWER OF STORY / STORIES OF POWER …

What is the power behind these moral categorizations, which are being boosted in social media as never before? And what history? Kevin Baldeosingh puts his „Short History of Wokeness“ under my nose, which gives me an approach by building a bridge to the anti-rational movement of the Romantics and a mysticism of the deviant.

But what is it really about? „Woke“ is a word creation derived from „awake“, which implies a higher form of consciousness regarding the precarious state of the world. I once read in a book: „The world is as we are.“ And I thought, „I’m not as ghastly as the world.“ Perhaps this new movement is about keeping this difference high – also in view of the increasingly probable global climate collapse that hangs over us like a sword of Damocles. Individual salvation, when our world is already going down the drain with the planet?

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But maybe it’s about something else entirely. In the beginning, we thought of a language police in Political Correctness. Until it turned out that it’s about controlling what’s possible to think. My grandmother comes to mind, who used to shout out when things got discursively tight in the family dialogue: „You must not even think that!“

But what are we allowed to think? Who edits the “Wokeness” codified catalogue of criteria? And who watches over the moral consensus on what is “woke” and what is not?

Woke is who rejects cars and airplanes as a means of transportation, and who boycotts Amazon. Not woke is anyone who indulges in the antiquated ideal of beauty 90-60-90, or thoughtlessly decides to bring children in this world. Greta Thunberg and Prince Harry are woke. Prince Andrew and Peter Handke are not. Or vice versa the next day?

Where are the guardians of discourse? And what morality feeds their binary worldview? Certain is that this game of inclusion and exclusion is a cruel one. It marks the victory of the singular over the plural, of truth over reality, and the end of the narrative. The storyteller plays with possibility. Those who raise moral categories like fences move between 0 and 1. Stories green the diverse space in between.

Diversity, the much-troubled concept, begins within us – in the moment we embrace ourselves as multiple personalities, instead of focusing on this one feature which tells the truth about us. Instead, we are not well because we do not want what we have and cannot have what we want. And the others have. There is a black hole between our dependencies and our desires, in which we are pulled apart like spaghetti. We believe that our growth and well-being are directly related and are blinded by the promises that surround us. Because the lack – the feeling of having too little and being too little – has eaten into our minds, we can no longer sit still. At the same time, we lean further and further into a future that is slowly but surely running out of resources.

It seems that we have no time left to divide people into binary categories. As entertaining and revealing as it can be at times. And as characteristic as it was of modernity in the name of progress. Suddenly the great Julio Cortazar comes to mind and his subdivision of people into „cronopios“ and „famas“. As a reminder, the latter were those who meticulously roll up their toothpaste from behind. But shouldn’t we pay tribute to them today in front of the backdrop of the Zero-Waste-Movement rather than making fun of them?

Perhaps it is like in music, which is not only made up of notes, but above all of pause marks. Silence. Every melody lives from the fact that we not only exhale, but also inhale. Two notes correspond with each other across the empty space. Pause. And the music is this in-between. A world in which we also want to live. Beyond the strict opposites. And beyond the false ideologies. A space in between. A transition. From me to you. Not a world of fences that separate and not a world of castles that block and lock the way. But a world of possibilities and windows that can be opened.

POWER OF STORY / STORIES OF POWER – we know that it is a very ambitious and at the same time evasive conference topic. But if you wanna step out of the binary world surrounding you it is a place to be. See you in Berlin at www.beyondstorytelling.com

Neuer Hochschullehrgang: Narrative Organisationsberatung

Worum es geht? Mit Storytelling, Storylistening und narrativen Reflexionsmethoden Unternehmensidentität zu entwickeln und zu reflektieren und damit Unternehmen selbst auch strategisch erfolgreicher und sattelfester zu machen. Wenn rundherum Veränderung als einzig mögliche Konstante gilt.

Narrative Organisationsberatung bedeutet auch, den Fokus auf die weichen Faktoren zu lenken, die bekanntlich die harten zum Frühstück verspeisen. In Abwandlung von Peter Drucker könnte man formulieren: „Stories eat processes for breakfast.“

Ich freue mich jedenfalls riesig, mit Koryphäen wie Michael Müller, Christine Erlach, Jacques Chlopczyk und Stephanie Bachmair Teil des Lehrteams zu sein. Und fast noch mehr freue ich mich, dass ich nicht nur in der Rolle des Gastdozenten diese Ausbildung mitgestalten werde, sondern auch in der Rolle des Teilnehmenden an dieser Fortbildung, die wir in die Form des Storylabs gießen werden – konkret, interaktiv, erzählend.

Die universitäte Fortbildung „Narrative Organisationsberatung“ startet am 6. Februar 2020 und es gibt noch ein paar wenige Restplätze, wie ich gehört habe. Im Vorfeld sprach ich mit Michael Müller über „Narratives Coaching“ – das Modul, das ich einbringen werde. Mehr zur dieser im deutschsprachigen Raum richtungweisenden Fortbildung an der Hochschule für Medien in Stuttgart finden Sie hier: https://www.narratives-management.de/narrative-organisationsberatung/

 

Innovationen im Sozialen und Narrativen. Ein Blick zurück, zwei voraus …

Das war ein Jahr! In Salzburg offiziell als Dialogjahr ausgerufen, hielt es, was es versprochen hat.

Und das auf allen Ebenen: als wunderbar einprägsames Storycamp in Lingenau genauso wie als verrücktes querDENKRAUM-Format, das ich im Herbst gemeinsam mit Werner Pfeffer durch das Land tragen durfte, als Teil des FIER-Projekts, in dem wir mit fairMATCHING Europaluft inhalierten, genauso wie mit dem Erzählprojekt „VON WO ICH MICH SEHE“ und der Frage, wie „dein Blick auf mich das Bild verändert, das ich von mir habe.“ Hochdialogisch und innovativ geht es auch bei der Vorbereitung des internationalen BEYOND STORYTELLING KONGRESSES in Berlin 2020 zur Sache, wo wir der Macht der Geschichten nachspüren, mit denen wir uns jeden Tag neu erfinden, die aber auch ein Werkzeug sind, um mächtige Diskurse, die uns niederdrücken, zu dechiffrieren.

Das Video-Interview aus der Good News Wochenschau #46 mit Romy Sigl von Anfang Dezember zeigt mir, wie vielfältig die Arbeit ist, die mich vorantreibt. Neuland jedenfalls, wohin man sieht. Und das ist gut so. Denn was wäre ein neues Jahr ohne Überraschungen?

 

querDENKRÄUME

Wir sind heute in der glücklichen Lage, über alles diskutieren zu können. Wir beziehen Position und tauschen sie aus. Bei jeder Gelegenheit geben wir unsere Meinung zum Besten – sozialmedial kompatibel, möglichst pointiert und am liebsten anonym. Dabei suchen wir immer seltener das direkte Gespräch, den Augenkontakt. Die Frage, wie wir gut miteinander reden können, ist vor diesem Hintergrund von enormer Dringlichkeit.

Deshalb haben wir das Schwerpunktjahr “DIALOG 2019 – Der Salzburger Weg der Integration” zum Anlass genommen, darüber nachzudenken, wie wir im Miteinander neue Spiel- und Denkräume aufstoßen können. Jenseits unserer festgefahrenen Positionen und jenseits der Rollen, die wir im Alltag bekleiden. Aber auch jenseits der Meta-Diskurse über Integration. Unserer These folgend, dass Dialog nur entstehen kann, wenn wir bereit sind, das vertraute Terrain zu verlassen und das, was zwischen den Sprechenden passiert, als Neuland zu erfahren.

Aus diesem Nachdenken ist das Projekt querDENKRAUM entstanden. Ein experimentelles Format, das von Werner Pfeffer entwickelt, gemeinsam adaptiert und von uns im Oktober durch das Land getragen wurde – an 7 Abenden mit den 7 Stationen Abtenau, Mittersill, Saalfelden, Rauris, Oberndorf, Tamsweg und Strobl. Dorthin kamen 55 „Meinungsmacher“ aus den Regionen, um zum Thema Integration & Dialog quer zu denken – darunter Bürgermeister_innen, Gastronomen, Kindergärtner_innen, Pfarrer, Lehrer_innen, Flüchtlingsbetreuer_innen und Kulturschaffende. Am Ende spiegelten selbst die Locations die Vielfalt der Gespräche wider: von der Pfarrküche zum Coworking Space, vom Kunsthaus zur alten Schule, vom Kulturzentrum zur Zirbenstube.

Der querDENKRAUM ist ein Laboratorium für offene Geister, bei dem wir uns in zwei hochkonzentrierten und unterhaltsamen Stunden mutig und neugierig dorthin vorwagen, wo Denken sich querlegt und die Diskussionen zum Thema hinter sich lässt. Mit dem Ziel, nicht mehr länger über Dialog zu reden, sondern Dialog passieren zu lassen. Einen Dialogprozess anzustoßen, in dem das kreative Miteinander den Abgleich allzu bekannter Positionen zum Thema ersetzt und Präsenz die oft lähmenden Zielvorgaben.

Dazu haben wir die eigentliche Fragestellung links oder rechts liegen gelassen und bewegten uns, beginnend bei den eigenen, ganz persönliche „Denkinseln“, von ihr weg. Ohne Leitplanken und mit viel Unsicherheit ins Neuland hinein – um dann am Ende des kreativen Tastens und Stolperns die Brücke zur Ausgangsfrage schlagen:

Wie können wir gut miteinander reden?

Dieser programmatische Umweg brachte es mit sich, dass auf dieser Reise die Gespräche selbst zu funkeln begannen und Teil der Ergebnisse wurden. „Ein Ergebnis ist, dass wir gut miteinander redeten. Hier und Jetzt“, wie eine Teilnehmerin das Format auf den Punkt brachte.

Es ist wesentlicher Teil des Projekts querDENKRAUM, dass wir nicht nur über die Ergebnisse reden, sondern auch über den Prozess und das Format selbst, das viele Teilnehmer für ihre eigenen Bedarfe weiterdenken wollen. Und es ist ein wesentlicher Teil der Ergebnisse, dass diese nicht Grundsätzliches zum Wesen des Dialogs oder altbekannte Regeln reproduzieren, sondern sehr persönliche, sinnlich verankerte Sichtweisen auf das Thema offenlegen, die erst im Kontext zu leuchten beginnen.

Das bedeutet auch, dass diese Ergebnisse nicht einfach mit copy/paste ins allgemeine Dialogrepertoire überführt werden können, sondern sich erst im persönlichen Interpretationsraum des Betrachters entfalten. Es sind Begriffe, Redewendungen, Halbsätze, die ganz persönlich gedreht und gewendet werden müssen, damit sie ihr Licht entfalten. Rezeption heißt in diesem Fall, dass man den Begriff, die Wendung, für sich interpretiert und in der eigenen Praxis testet. Die Ergebnisse sind also Prototypen des dialogischen Gelingens.

So können wir heute auf die Frage: „Wie können wir gut miteinander reden?“ mit einigen Beispielen aus dem querDENKRÄUMEN exemplarisch antworten:

Indem wir Ideen loslassen

  • wenn wir sie nicht mehr besitzen müssen
  • wenn wir sie einbringen und freigeben
  • wenn wir sie als Angebot ins Gespräch werfen


Indem wir den Schutzschild runterfahren  

  • und damit angreifbarer, sichtbarer und verletzlich werden
  • und damit Nähe möglich machen
  • und damit leichter und beweglicher werden


Indem wir die eigene Position verändern können

  • weil wir nicht recht haben und gewinnen müssen
  • weil wir bereit sind zu lernen
  • weil wir uns überraschen lassen


Indem wir uns mit brennender Ungeduld inspirieren

  • wenn das Feuer entfacht wird und der Funke überspringt
  • wenn das Vertrauen die Geduld nährt
  • wenn die Neugier den Ton angibt


Indem wir jederzeit ‘geteilte Kompetenz’ denken

  • den Anderen gelten lassen
  • dem Gegenüber Kompetenz unterstellen
  • unsere Positionen teilen


Indem wir gut auch ohne Lösung auseinander gehen können

  • weil ein Ergebnis nicht alles ist
  • weil wir Dinge auch sickern lassen können
  • weil wir bereit sind, im Dialog zu bleiben


Indem wir offen für Zufälle sind

  • uns überraschen lassen
  • nicht ordnend sind
  • die Ungewissheit aushalten


Indem wir zulassen, dass Bruchstellen sichtbar werden

  • keine Angst vor Unterschieden haben
  • andere Kompetenzen wahrnehmen
  • Missverständnisse als Ressource begreifen


Indem wir Visionen öffnen

  • wenn wir etwas im Gegenüber entdecken
  • wenn wir Fragen wirken lassen
  • wenn wir miteinander auf das Verborgene leuchten