Die Zukunft aus der Vergangenheit erbauen

Weitermachen wie bisher oder wagen wir einen Neubeginn, wie ihn Eddie Obeng in seinem leidenschaftlichem Plädoyer für einen Neubeginn in seiner TED Konferenz fordert:

„Risiken wagen“, „Neues ausprobieren“ tönt es von überall. Innovationen sind gefordert in unserer globalen Welt, in der wir „die Geschwindigkeit und die Intensität von Interaktion“ dramatisch erhöht haben.

Jahrzehntelang haben Arbeitnehmer gelernt, Prozessen, Arbeitsabläufen und Regeln zu folgen. Nur keine Experimente – die Angst vor dem Scheitern und den Konsequenzen war und ist groß. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird gefeuert.

Wie sollten wir einen Mitarbeiter behandeln, der eine komplett neue Richtung einschlägt, etwas ausprobiert, etwas wagt, Risiken eingeht, versucht, innovativ zu sein, sich Gedanken macht, nicht immer wieder mehr vom Gleichem macht, was Neues verfolgt und, … der dennoch vollkommen scheitert?

„Free Pizza“ fordert Eddie Obeng für diejenigen, die einen Schritt zu viel gewagt haben – für diejenigen, die Fehler machen. Die einzige Frage, die sich dabei stellt, ist die, wie wir mit den Konsequenzen umgehen. Ziehen wir die richtigen Schlüsse?

Es ist, wie mit der Geschichte des Penicilin, als Alexander Flemming eine Nährstoffplatte vergessen hatte und bei der Rückkehr aus seinen Sommerferien den Schimmelpilz auf den Platten sah – ein unverzeihlicher Fehler wie es schien. Er jedoch blieb neugierig, untersuchte die Platte dennoch und, … machte eine weitreichende Entdeckung, welche die Geschichte der Medizin maßgeblich beeinflussen sollte.

Das Wesen solch einer guten Geschichte sind die überwundenen Schwierigkeiten und die daraus entstehenden Erfolge. Die „Schwierigkeiten“ in der Penicillin Geschichte waren damals eine Vielzahl an Krankheiten, die nicht behandelbar waren und oft tödlich endeten. Der Erfolg war erst durch eine zufällige Abweichung entstanden. Die Frage ist: welche Abzweigungen wählen wir, wenn Schwierigkeiten auftreten? Fünf Millimeter einer Weichensteuerung können entscheiden, ob ein Zug nach München oder nach Innsbruck fährt. In diesen Dimensionen müssen wir unsere Entscheidungen denken, jedoch ohne gleichzeitig die dadurch entstehende Verwundbarkeit zu scheuen, welche durch einen Versuch des Neubeginns entsteht. Verwundbarkeit macht große Veränderungen erst möglich.

Dies funktioniert jedoch nur, wenn wir die klassische Aufteilung in diejenigen, die in einem Unternehmen „denken“ und diejenigen, die „arbeiten“, aufgeben und einen neuen Rahmen des Miteinander schaffen. Einen Rahmen, in dem jeder die Chance hat, Neues zu riskieren. Auch wenn dies das Unternehmen damit ein Stück weit verwundbarer macht.

Poetischer drückt es Haruki Murakami in seinem aktuellen Werk „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ aus:

In diesem Moment erkannte Tsukuru Tazaki es. Er begriff endlich in den Tiefen seiner Seele, dass es nicht nur die Harmonie war, die die Herzen der Menschen verband. Viel tiefer war die Verbindung von Wunde zu Wunde. Von Schmerz zu Schmerz. Von Schwäche zu Schwäche. Es gab keine Stille ohne den Schrei des Leides, keine Vergebung, ohne dass Blut floss, und keine Überwindung ohne schmerzhaften Verlust.

Aus den „Wunden“ der Vergangenheit stellen wir die Weichen für unsere Zukunft.

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