Führungssplitter

Einen Workshop zum Thema Führung mit 60 GeschäftsleiterInnen in knapp 3 1/2 Stunden durchzuführen fällt normalerweise in die Kategorie „erschwerte Rahmenbedingungen“.

Wir haben die Herausforderung letzte Woche angenommen und sind reich belohnt worden. Natürlich hätte es noch viel zu sagen und vor allem zu erleben gegeben. Aber diese paar Stunden  haben uns wieder einmal gezeigt, was möglich ist, wenn man die Interaktionen ernst nimmt und daran glaubt, dass kleine Impulse ausreichen, um viel zu bewirken, wenn die Energien am richtigen Platz sind. So nutzten wir die Führungserfahrung, die in diesem Raum versammelt war, klappten bald, nachdem wir uns gemeinsam auf ein Ziel eingestimmt hatten, die aufgeregten Ruder hoch und überließen uns – beobachtend, austarierend  – der Strömung.

Wer führt wen wohin und durch welches Gelände?“

tango

Wenn beinahe alles mit jedem zusammenhängt und nichtlineare Netzwerkeffekte die alten Ursache-Wirkung-Prinzipien zunehmend aus den Angeln heben, wird „Segeln auf Sicht“ zur zeitgemäßen Führungsmetapher. Das heißt auch, dass wir Fernrohre und Rechenschieber (oder Excel-Grafiken oder Scorecard-Ampeln, wenn sie es moderner haben wollen) beiseite legen und uns auf unsere Kommunikationsfähigkeiten besinnen, wenn davon noch etwas übrig ist.

Wer führen will, muss zuhören lernen und sich führen lassen, weil wir auf die Mitarbeiter angewiesen sind,  die unsere Führung kaufen; und die Bedeutung von dem, was wir sagen, der Empfänger bestimmt. Wer führen will, wird sich auf die Suche nach seinem/ihrem Führungsoriginal machen und auf dem Weg belastende Führungsmythen über Bord werfen. Er/Sie wird fordernd und fördernd neue Spiel- und Handlungsräume zulassen und auf die Stärken der ihn/sie umgebenden Menschen vertrauen. Nicht blind, aber auch nicht nur ein bisschen und mit scheibchenförmigen Abstrichen. Weil Vertrauen, wie Wolf Lotter so schön formuliert, „die Fähigkeit ist, nicht auf seinen schlechten Erfahrungen sitzen zu bleiben.“ Führung verlangt Transparenz und einen positiven Umgang mit Unsicherheiten, Ambivalenzen und Fehlern – als unverzichtbare Klimabedingung für eine lernende Organisation.

Aber als wichtigste Zutat gelungener Führung wird er/sie seine/ihre eigene Beweglichkeit kennen und schätzen lernen. Weil das, was was wir sehen, vom Beobachtungsstandpunkt abhängt, müssen wir in der Lage sein, unterschiedliche Positionen für uns erlebbar zu machen – um zu erkennen, welche Seiten in uns jeweils die Führung übernehmen und was die Leute um uns in der Situation benötigen. Warum das wichtig ist? Weil wir durch Fokussierung von Aufmerksamkeit unser Erleben konstruieren und bestimmen, von welcher Wahrnehmung wir uns jeweils führen lassen. Deshalb ist Führung ohne Reflexion nicht zu haben.

Führung ist situativ oder ein bloßer Etikettenschwindel. Ein Abenteuer, das Spaß macht und nahegeht, weil es zu uns selber führt.

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Eine Antwort zu “Führungssplitter”

  1. Wer sich seiner Sache sicher ist, kann gelassen agieren und muss nicht nur reagieren. Ich denke, dass es wie so oft im Leben darum geht, dass man bei Visionen selber im Kopf klar strukturiert ist. Natürlich darf eine Portion Enthusiasmus und Träumerei nicht fehlen. Vermutlich fehlt es aber auch Führungskräften oft an einem positiven, geordneten Mindset. Das ist normal und menschlich.

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