Heldengeschichten

Es war im Sommer 2014 in München am Ende eines langen Tages. Wir standen am Hauptbahnhof und hatten gerade noch 15 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges. Und ich faltete ein Papier und skribbelte parallel mit Stephanie Boldt die Heldenreise für unsere Zusammenarbeit. Seitdem taucht dieser Zettel immer wieder auf und die Geschichte entfaltet sich – zwischen den Zetteln. Flieg!

heldenreise2

StoryWork anhand der Heldengeschichte schlägt eine Brücke zwischen Storytelling und narrativer Arbeit, indem wir mit diesem Tool einerseits einen 6-Felder-Rahmen für eine archetypische Erzählung spannen, andererseits dabei jedoch nicht auf das Resultat des Erzählens – die Geschichte – fokussieren, sondern auf den Prozess der Geschichtsschreibung bzw. darauf, „was die Geschichte mit der Identität der Erzählenden zu tun hat.“

Um diesem Fokus gerecht zu werden ist es entscheidend, den Anteil des Kognitiven in diesem Prozess möglichst gering zu halten. Es geht also weniger um die Instrumentalisierung von Geschichten im Zuge des Personal Branding, als darum, sich mit dem Intuitiven (der rechten Gehirnhälfte) zu verbinden und den Bewegungsimpuls, der in den Geschichten liegt, wie ein Trampolin zu nutzen. Wir bemalen miteinander ein Blatt Papier entlang der einzelnen Stationen einer Heldengeschichte, die uns als Referenz dienen, um uns in einer ganz anderen Weise als bisher über bestimmte Dinge Gedanken zu machen. Dabei geht es uns zunächst nicht um eine möglichst gute Performance oder ausgefeilte Erzähltechniken, die den Outcome optimieren, sondern schlicht darum zu sehen, was da ist; die eigenen Anteile zu entdecken, aber auch das kulturell Dominierende, Fremdbestimmte, das uns mitbestimmt und daran hindert, unsere eigene Geschichte zu schreiben.

Listening, Telling, Co-Creating – entlang dieser Chronologie ist StoryWork in der Einzelarbeit genauso wie in Gruppenarbeiten vielfältig einsetzbar, wenn es darum geht, Komplexität zu reduzieren und eine sinnliche Ebene einzuführen. Wir bieten einen Rahmen von sechs Feldern, in dem sich die Geschichte entwickelt – schauen aber zunächst gegen alle Gewohnheit nicht auf die Inhalte, sondern auf die Details im Vorgang des Erzählens –  das Tempo, das Stottern im Prozess, die Pausen und die Verteilung der Energie – auch, um herauszufinden, auf welche Phase der Heldengeschichte wir uns in der gemeinsamen Arbeit konzentrieren. Bei der Arbeit mit größeren Gruppen macht es Sinn, zunächst in Kleingruppen die Heldengeschichte entwickeln zu lassen und dann zusammenzutragen, wobei in jeder Phase darauf zu achten ist, dass es nicht darum geht auszudiskutieren, wer der richtige Held ist, sondern darum, Impulse aufzugreifen, Gemeinsamkeiten und Kulminationspunkte transparent zu machen und genau darauf zu achten, was jeweils unter der Tischplatte verschwindet, zu kurz kommt.

Denn es kann durchaus vorkommen, dass viele am Anfang gar nicht ihre eigene Geschichte erzählen, sondern eine Version, die sie von anderen gewohnt sind, über sich zu hören. Deshalb kommt dem Zuhören besondere Bedeutung zu. Als Coaches und Zuhörer können und dürfen wir nicht die Geschichte anderer schreiben. Wohl aber können wir unsere Gegenüber dabei unterstützen und sie motivieren, ihre Geschichte selber zu schreiben. Wobei Zuhören in diesem Fall nicht heißt, neutral zu sein. Wir dürfen als Zuhörer auch Ideen haben, Vorschläge machen und etwas anbieten: „Bei mir löst das Gesagte das aus, was macht es mit dir?“ – solange wir Anwälte der Vielfalt bleiben und unsere Vorschläge so platzieren, dass sie auch jederzeit negiert werden könnnen. Co-Creation: Wir geben Impulse, damit etwas entstehen kann.

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