Nur die Harten kommen in den Garten

Psychische Belastungen werden neuerdings in Österreich auch von Amtswegen evaluiert. Firmen entdecken die Resilienz, um Mitarbeiter robuster und widerstandsfähiger zu machen. Wir fragen uns nur, ob dieses neue Zauberwort mitunter von Firmen zu sehr gemäß seiner Herkunft aus der Materialwirtschaft benutzt wird? Dort beschreibt Resilienz die Fähigkeit eines Stoffes, nach elastischer Verformung wieder in den Ausgangszustand zurückzukehren. Geht es in Unternehmen nur darum, den Grad der Verformung noch ein Stück weiter nach oben zu schrauben? Hamsterrad 2.0? Oder geht es wirklich um den Menschen in Unternehmen und um ein neues Miteinander?

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Grundlage für ein funktionierendes Miteinander ist Vertrauen, was nicht nur in Beziehungen gilt, wie etwa vom Paartherapeuten John Gottman beschrieben. Vertrauen ist auch für die Beziehungen in Unternehmen zwischen Kunden, Mitarbeitern und Führungskräften gefragt, um echte Verantwortungsübergabe zu ermöglichen. Damit werden auch Freiräume zur Selbstbestimmung und Eigenwirksamkeit geschaffen. So wird „work“ wieder zu „life“. Die viel beschriebene work-life Balance hat uns ja letztlich auch suggeriert, dass die Arbeit nicht zum Leben gehört. Welche Niederlage für die Menschheit! Und, welche Niederlage für Unternehmen! Glückliche Mitarbeiter sind erfolgreicher, und damit auch die Unternehmen, in denen diese Mitarbeiter tätig sind. Und mit Glück ist hier nicht das Fitness-Studio im Unternehmen, die nächste Teamentwicklungsmaßnahme im Rafting-Boot oder Gratis-Bio-Mittagessen in der Firmen-Lounge gemeint. So wird das Unternehmen zum Zoo – der zwar viele artgerechte Spielsachen hat aber immer noch Gitterstäbe.

Neben Selbstbestimmung und Eigenwirksamkeit braucht es Bewegungsspielraum, um die Masken fallen zu lassen, mit welchen wir täglich in Meetings sitzen. Erst dann  können wir an etwas Bedeutsamen arbeiten. Frederic Laloux spricht in seinem aktuellen Buch „Reinventing Organisations“ vom evolutionären Zweck, den es zu verfolgen gilt. Und hier ist nicht das übliche Leitbild gemeint, das in der Eingangshalle hängt. „Trying to do some epic shit“ – wie es eine Google Managerin kürzlich so treffend formuliert hat. Vielleicht erübrigt sich dann die Frage nach der Resilienz.

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