Social Sales. Werkstücke und Kopfnüsse

Er war ein Tischler mit Leib und Seele. Einmal im Monat fuhr er in die Stadt, um dort am Markt seine neuesten Werkstücke anzubieten. Er liebte das, was er tat. So sehr, dass es ihm mitunter schwer fiel, sich von dem einen oder anderen besonders gelungenen Stück zu trennen. Und auch die Menschen waren ganz hingerissen von seinem Stil und der Art, wie er das Holz bearbeitete.

Copyright: fotolia
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So vergingen die Jahre und sein Unternehmen wuchs. Er entwarf Möbel und begeisterte damit die Menschen. Aus dem kleinen Dorf wurde eine Stadt, aus dem Markt ein Einkaufszentrum und aus seinem Stil eine Marke, über die er penibel wachte. Und aus dem jungenhaften Tischler war ein alter Mann geworden, dem langsam die Kundschaft abhanden kam.

Denn die jungen Leute, die sich in der Stadt niederließen, hatten einen anderen Zugang zu den Dingen, mit denen sie sich umgaben. Sie waren nicht mehr daran interessiert, bloß ein schickes Möbelstück zu kaufen, sondern suchten etwas, das nach ihren Vorstellungen maßgeschneidert war. Sie wollten mitgestalten und ihre eigenen Ideen einbringen, was den Tischler zunächst vor den Kopf stieß. Denn plötzlich reichte es nicht mehr, Visionen zu haben und Möbel nach eigenem Gespür herzustellen und zu verkaufen. Plötzlich musste er lernen hinzuhören  und auf die Wünsche und Ideen der Kunden einzugehen.

Anfangs war das ganz schwierig für ihn. Er hatte das Gefühl, dass er nicht mehr das machen konnte, was er am besten machte. Er sah nur die Abstriche und die Kompromisse und fürchtete um die Qualität seiner Produkte und die zugegeben mittlerweile etwas verstaubte Marke, die er geschaffen hatte.

Je mehr er jedoch auf die Kunden einging, umso mehr lernte er, in diesem Prozess das Neue zu entdecken, das ihm eine neue Quelle der Inspiration. Er wurde kreativ in einem neuen Sinn und entdeckte im Gespräch immer neue Dinge. Er fühlte sich jung und unternehmenslustig und ko-produzierte so viel wie nie zuvor. Er konnte das, weil aus ihm ein Zuhörer geworden war, ein Ideen-Entzünder, der es verstand, das Feuer der Inspiration weiterzureichen.

Und so wurde aus der Tischlerei eine Ideenwerkstatt, die viel mehr verkaufte als Möbel. Und Menschen von weither machten sich auf, um dort zu arbeiten, einzukaufen, kreativ zu sein. Sie suchten ihre Nähe, weil sie sich dort abgeholt fühlten, wo sie waren.

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