Viel hilft wenig

alexander

Sylvia Tempel vergleicht in der aktuellen Ausgabe der Zeit (Link wird nachgereicht, sobald online verfügbar) zwei Führungsstile von Politikern. Den Dezisionimus (Hollande, Putin, Seehofer, Orbán, Erdogan, …) und den Dynamismus (Merkel).

Der eine glaubt an lineare Entwicklungen und an die Macht der schnellen und weitreichenden Entscheidung. Er liebt die großen Gesten und das Schüren von Erwartungen. Und er nimmt in Kauf, dass er am laufenden Band Frustrationen produziert, weil die Realität – die böse – sich nicht an seine Vorgaben hält. Der andere, dynamische, hat erkannt, dass es in einer komplexen Welt viel mehr darum geht, möglichst viele Aspekte/Strömungen von Problemstellungen aufzunehmen und über kooperatives, vernetztes Handeln immer wieder neue Impulse zu setzen, die in eine wünschenswerte Zukunft weisen. Der eine setzt auf Reduktion – in seinem Denken und in seinem Handeln; er hasst Unentschiedenes und liebt das Entweder-Oder. Der andere umarmt die Vielfalt, weil sie Reichtum bedeutet und nähert sich den Dingen mit einem Sowohl-als-auch. Der eine wirkt nach außen hin stark, der andere ist es nach innen.

Der eine taugt in Situationen, die nicht hochgradig vernetzt sind – also in unserer Welt eigentlich gar nicht mehr. Der andere taugt in komplexen Situationen wie der Flüchtlingskrise.

Wir brauchen neue Bilder!

Jahrhundertelang galt eine Tat als großes Vorbild für das beherzte Lösen schwieriger Probleme: Alexanders des Großen machohaftes Zerschlagen des gordischen Knotens. Niemand schien je auf den Gedanken gekommen zu sein, dass damit ein vielleicht noch brauchbares Seil zerschnitten und der Streitwagen des phrygischen Königs Gordon irreperabel beschädigt wurde.“

Es ist an der Zeit, dieses Bild der „Zerschlagung des gordischen Knotens“ und damit verbunden das Bild des „Dreinschlagens des Mächtigen“ durch ein anderes zu ersetzen. Nicht nur in der Politik, sondern auch im Unternehmenskontext. Die Entscheidungsmanie (la décision pour la décision) – über alle Köpfe hinweg – ist kein Führungsstil, der in die Zukunft weist, sondern nichts anderes als die um sich selbst kreisende Rhetorik der Macht.

Fred Sinowatz hatte eine Ahnung davon, als er 1983 bei seiner Regierungserklärung den Satz formulierte: „Es ist alles sehr kompliziert …“ und dafür von vielen (Dezisionisten) belächelt wurde. Heute würden wir es anders sagen: „Die Welt ist komplex geworden.“ Dieser Unterschied verweist auf einen Paradigmenwechsel, der weitreichender nicht sein könnte.

Wir brauchen keine Abenteurer, die im tief gestellten Sportwagen von einer Schlacht zur nächsten hetzen. Im Management genauso wenig wie in der Politik. Wir brauchen Gärtner.

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