Change isn’t a surgery

mar

Not the person is the problem. The problem is the problem“ –

ich erinnere mich noch sehr gut an die befreiende Wirkung, die dieser Satz auf mich hatte, als ich ihn zum ersten Mal vernahm. David Denborough sang ihn für mich in einem Workshop in Wien und ich? Ich hatte das Gefühl, als könnten meine gesammelten Internalisierungen – ein Bild von H.C. Artmann aufnehmend – mir plötzlich wie „eine tote Amsel aus dem Hals springen.“

Das war vor wenigen Jahren. Ich begann diesen Satz zu zitieren und ich begann, ihn zu leben – bis ich vor 2 Wochen auf eine Passage in einem Buch von Carol Dweck zum sogenannten „growth mindset“ stieß, die mir mit einem Schlag klar machte, dass ich bislang den darin auf den Punkt gebrachten Externalisierungsvorgang nur vom ICH her und damit nicht weit genug gedacht hatte.

Nehmen wir an, ich produziere etwas und biete es jemandem an: einen Text (ein Bild, einen Song, eine Dienstleistung, ein Werkstück, ein Produkt). Wenn das, was ich anbiete, abgelehnt wird, stehen mir im Normalfall zwei Affekt-Reaktionen offen, die beide wenig hilfreich sind: Ich kann zu dem Schluss kommen, dass die Leute, die meinen Text (meinen Song, meine Dienstleistung, mein Produkt) bewerten, einfach „deppert“ sind oder ich kann zum Schluss kommen, dass es an mir liegt, dass ich einfach zu blöd, dumm, unsensibel, unbegabt, „deppert“ bin, um einen Text  zu schreiben.

Der springende Punkt: Wenn ich das Problem aus mir herausbekomme und es stattdessen in den/die anderen verlagere, habe ich etwas verschoben, aber nichts gewonnen. Die ersten beiden Reaktionen verharren in Vor-Urteils- und Bewertungs-Routinen, die nichts anderes tun, als den Status Quo zu besiegeln: Du bist deppert oder ich bin deppert. Ich bin schuld, der/die andere/n ist/sind schuld. Ich bin der einzige der gescheit ist, alle anderen sind deppert, oder ich bin der einzige, der deppert ist in einer Welt der Gescheiten. Allmachts- und Ohnmachtsphantasien geben sich die Hand. Das ICH tritt auf der Stelle.

Nur die dritte Position, die mich veranlasst, die Kritik ernst zu nehmen und zum Beispeil an der Qualität meines Schreibens weiter zu arbeiten, „jetzt erst recht!“, bringt Bewegung rein, ist Anwalt der Veränderung.

Die Wahrheit ist, dass es nicht darum geht zu entscheiden, wäre recht hat, wer deppert, wer schneller oder besser ist. Die Wahrheit ist, dass es der Wahrheit egal ist; und dass es vielmehr darum geht, dieses Entweder/Oder hinter uns zu lassen und eine Ebene zu finden, wo die Gegensätze aufgehoben sind – im Sinne eines neugierigen Lernens; ein Zimmer anzubieten, in dem die Veränderung und das Unvertraute gemeinsam Platz nehmen und langsam beginnen können zu atmen. Dazu müssen wir uns von unseren fixen Ideen, die wir von uns und den anderen haben, verabschieden. Im Lernen wachsen ist wie atmen. Dazu brauchen wir niemanden, der uns bestätigt, dass wir erfolgreich sind.

Change isn’t a surgery. Even when you change, the old beliefs aren’t just removed like a worn-out hip or knee and replaced with better ones. Instead, the new beliefs take their place alongside the old ones, and as they become stronger, they give you a different way to think, feel, and act.“ C. Dweck: mindset. the new psychology of success, s. 214

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