Nachlese Bad Homburg: Beyond Storytelling

Der Kongress BEYOND STORYTELLING im Mai rückt näher und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Diesmal trafen wir uns in Bad Homburg bei Frankfurt. Für eineinhalb Tage Konzeptions-, Organisations- und Verdichtungsarbeit, die wir selbst dann nicht unterbrachen als wir uns abends im Dietrich’s, Restaurant und historisches Fachwerkfaktotum, niederließen und mit einem Merlot aus dem Friual den Bedeutungskonstruktionen auf den Grund gingen. Ein eher fragiles, aber sehr samtiges Gewächs mit der Merlot-typischen Würze und eleganten Fruchtnoten aus Kirschen und Himbeeren. Kein Holz. Beinahe karg. Friualisch eben.

merlot

Womit wir dort wären, wovon hier die Rede ist. Dem Terroir und der Unterscheidung zwischen STORYTELLING und STORYWORK. Wieder einmal. Denn wie beim STORYTELLING, wo es darum geht, eine Geschichte zu erfinden und so zu transportieren, dass sie gut ankommt – also vor allem Richtung Publikum gedacht –, ist es auch beim Wein heute technisch möglich, einen Rebstock in alle Richtungen hin klingen zu lassen. Sodass im schlechten Fall eine friualische Rebe australisch oder kalifornisch schmeckt, je nachdem, was der Markt verlangt. Ganz anders der Ansatz der Terroiristen, denen es darum geht, die Besonderheit eines Rebstocks – sein Mikroklima, seinen Boden und sein Traubenmaterial – möglichst intensiv zum Ausdruck zu bringen.

Wir sind alles Terroiristen
In diesem Sinne sind wir als STORYWORKER alle Terroiristen, die Menschen und Unternehmen begleiten, damit sie am Ende ihre Eigenart, ihr Terroir entdecken und das artikulieren, was in ihnen angelegt ist, in ihnen brennt. Dass sie sich aufschwingen und den Mut haben, ihre eigene Geschichte zu singen, und nicht wiederkäuen, was andere über sie erzählen.

Der Kern von STORYWORK ist der Prozess des Re-Authoring und das bedeutet nichts anderes, als dass wir die fremdbestimmte Erzählung hinter uns lassen und die Gestaltungshoheit für uns zurückgewinnen. Als Individuen genauso wie als Unternehmen. Haben Sie keine Angst. Oder besser: Haben Sie keine Angst vor der Angst. Sie gehört dazu, wie der Wein-Terroirist Reinhard Löwenstein treffend formuliert:

Auch das Ringen um den Wein, die Verzweiflung, die man bei Problemen verspürt, sogar die Angst gehören zum Terroir. Für mich ist Terroir im weitesten Sinn ein Ausstieg aus der Welt des Perfektionismus.“

Man könnte ergänzen: STORYWORK ist nicht nur der Ausstieg aus der Welt des Perfektionismus, sondern auch der Ausstieg aus der Welt des Anything-Goes. Keine Methode, sondern Haltung. Keine präskriptive Theorie, sondern dialogische Praxis. Wir erschaffen uns durch die Geschichten, die wir über uns erzählen. Indem wir formen, werden wir geformt. Unser Repertoire, auf das wir dabei zurückgreifen, ist nicht beliebig. Unser Repertoire kommt aus dem Terroir, das wir sind.

Wir sehen uns in Heidelberg. Hoffentlich!

Übrigens: Die Super-Early-Bird Tickets gibt es noch bis 15.1.2017
www.beyondstorytelling.com

By:

Posted in:


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: