Warum wir mit Geschichten arbeiten

Zur Einstimmung auf den Kongress BEYOND STORYTELLING im Mai in Heidelberg.www.beyondstorytelling.com

„Big Data“ heißt das große Heilsversprechen unserer Tage. Es macht uns glauben, dass wir nur genügend Daten brauchen, um beinahe jedes Kaufverhalten, jedes Bedürfnis und jede Entwicklung vorherzusehen. Kein Wunder, dass vor diesem Hintergrund Daten-Konzerne, die Menschenmuster wie Waren im Katalog anbieten, wie Pilze aus dem Boden schießen.

Was dabei gerne übersehen wird, ist, dass uns ein Mehr an Information, die wir automatisiert verarbeiten, nicht unbedingt gescheiter, zufriedener, glücklicher macht; und dass dieses Mehr an Information auch nicht die Erfahrungen wird ersetzen können, die wir versäumt haben zu machen. Was dabei gerne übersehen wird, während wir selbstvergessen und teilnahmslos an den Daten kauen, ist, dass Bewusstsein sich nicht laden lässt.

BirgitH / pixelio
BirgitH / pixelio

Deshalb arbeiten wir mit Geschichten. Sie sind anders. Sie leuchten aus sich heraus, sind fluoreszierend, weil sie Verbindungen schaffen und mit ihnen Verbindlichkeit. Sie erklären nicht und sie informieren nicht, sie liefern keine Daten, sondern „kondensierte Erfahrungen“ – wie Walter Benjamin es auf den Punkt brachte –, weil sie das Konkrete über das Abstrakte stellen, das Detail über die Generalisierung, das Besondere über das Normale, das handelnde und reflektierende Individuum vor das wehrlose Subjekt, das an allen Ecken und Enden erschlossen ist.

Was das in der Praxis bedeutet?

Dass wir unerforschte Bilder, die in unseren Köpfen entstehen, unter die Lupe nehmen, dass wir dem nachgehen, was kontroverse Beiträge verbindet, dass wir Plätze und Perspektiven wechseln und ausprobieren, dass wir Details Beachtung schenken, die gerne übersehen werden, dass wir narrative Lücken hervorheben und mit Geschichten füllen, dass wir achtlos fallen gelassene Worte wie Juwelen aufheben, dass wir hintergründige Glaubenssätze auf die Bühne bitten und transparent machen, dass wir durch unser eigenwilliges Fragen das als selbstverständlich Erscheinende exotisieren und dass wir schließlich lange Pausen einlegen, wenn es schnell gehen soll. Dies alles, um unsere Anteile an den Bedeutungskonstruktionen und damit auch die Kultur, die wir jeden Tag neu erschaffen, spürbar zu machen.

Selbsteinholung, Reflexion, wohin man sieht. Ohne sie scheint nachhaltige Veränderung nicht möglich. Unsere Arbeit besteht darin, neue Erzähl-, Reflexions- und Gestaltungsräume zu öffnen. Dazu brauchen wir Geschichten. Sie halten das dunkle, opake, das uns Menschen eben auch ausmacht, hoch; und halten der totalen Transparenz ein kleines, sorgsam behütetes Geheimnis entgegen; behaupten ein letztes Refugium, das sich nicht quantifizieren lässt.

Unser Gehirn ist eine Baustelle. Lebenslang. Und das ist gut so. Denn wären wir irgendwann fertig, wären wir auch satt. Für den Rest des Lebens. Wir würden zwar weiter Informationen durch uns hindurchziehen lassen, aber wir würden aufgehört haben zu lernen. Neugierig oder begeistert zu sein. Es wäre still in uns. Gespenstisch still. Keine Synapsen mehr, die feuern. Keine Brücken, die geschlagen werden. Es gäbe kein Lernen mehr. Nur noch ein dumpfes Verdauen von Information. Und alles wäre in ein fahles Licht getaucht. Kein Licht der Aufklärung und Selbstbestimmung, sondern ein bläulich-weißes Licht der Apparatur, an die wir angeschlossen sind.

Informationen füttern den Geist. Geschichten machen ihn hungrig.

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