Lost in translation

christopher-burns-270907

Das Mögliche breitet sich aus, das Wirkliche liegt wie ein Urnenfriedhof da. Ich kontaminiere das Leben anderer mit der Aussicht, es könne anders, könne vielsagender sein. Man könnte das innere Leben radikalisieren, etwas anzetteln. Ich kann in ihren Gesichtern lesen, dass sie den Weg nicht zu Ende gehen werden. Ist die Zeit abgelaufen oder die Kraft erschöpft, werden sie sich auf den Rückweg in die Niederlage machen.

Ich lehne lange nach Mitternacht, ein Rekonvaleszent des Jetlags, am Fenster eines Hotels in Tokio. Im rechten Winkel zu meinem Zimmer, aber weit weg, steht hinter der Verglasung eine Frau meines Alters. Wir mustern uns. Mehrmals stellen wir uns in den nächsten Nächten in die Fenster, wie um uns gegenseitig zu betrachten. Zeichen machen wir nicht. Wir fühlen uns wie zwei einander gegenüberhängende Bilder im Museum. Eines Nachts entschließe ich mich, zu ihr zu gehen. Da kommt sie mir auf dem Flur entgegen. Wir schreiten aneinander vorbei und neigen nur die Köpfe. Das wird unsere letzte Begegnung sein. Seither rede ich mir ein, sie habe im selben Moment zu mir gewollt.“

aus: roger willemsen: momentum

 

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