Entscheidung für’s Leben

Die morgendliche Frage, Vollkornbrei oder Spiegelei, ist vielleicht nicht wirklich lebensentscheidend. Die Frage, ob jemand Arzt oder Musiker wird, erscheint da schon wesentlich weitreichender. Erstere trägt jedoch bereits die Schwierigkeit in sich, welche manch unlösbar erscheinende Entscheidung mit sich bringt. Auch wenn wir noch so lange grübeln, das Für und Wider gegeneinander abwägen, mit Freunden, Beratern und sonstigen „Wissenden“ darüber sprechen, uns im Internet schlau machen und lange plus/minus Listen erstellen, am Ende können wir keine endgültig „richtige“ oder „rationale“ Entscheidung treffen. Warum tun wir uns manchmal so schwer?

Insbesondere seit der Aufklärung ist der Mensch gewillt, bei seinen Entscheidungen die Vernunft walten zu lassen. Zum einen sind solche Entscheidungen jedoch meist von aussen beeinflusst, zum anderen ist es leider oft schlicht unmöglich, die vermeintlich einzig richtige Entscheidung zu treffen. Für die Frage, in welchem von zwei Körben mehr Äpfel sind, gibt es nur eine richtige Antwort: links, rechts oder in beiden gleich viel. Für viele Entscheidungen in unserem Leben gibt es jedoch keine solch einzig richtige Antwort. Bei dieser Art Fragen gibt es kein Richtig oder Falsch. Bei der Wahl, ob wir lieber Investment Banker oder Grafik Designer werden sollten, macht die Information, dass die Investment Bank noch einmal 200€ mehr springen lässt, die Entscheidung nicht unbedingt einfacher. Hier geht es um Werte, und diese sind durch Zahlen nicht zu repräsentieren. Die Philosophin Ruth Chang führt dazu einen äußerst interessanten Gedanken in einer TED-Konferenz aus.

Wesentlich ist es nicht, die richtige Entscheidung zu treffen, sondern für die jeweilige Entscheidung die für uns richtigen Argumente zu finden. Dies eröffnet eine völlig andere Perspektive und birgt eine große Chance. Die Wahl unserer Argumente beschreibt unsere Entscheidungen und macht uns damit im Verlauf der Zeit als individuellen Menschen letztlich aus. Durch unsere Argumentation werden wir erst zu Autoren der Geschichte unseres Lebens. Lassen wir immer nur die Vernunft walten, werden andere unsere Geschichte schreiben. Ruth Chang nennt es „driften“. Jemand lässt sich bei seinen Entscheidungen treiben von externen Einflüssen. Meist haben wir ein sehr gutes Bauchgefühl, wenn Entscheidungen anstehen, wir müssen nur die richtigen Argumente finden. In einer Welt voller einfacher Entscheidungen würden wir zu Sklaven der Vernunft.

Vollkornbrei am Morgen find ich einfach grausig…

Don’t be a drifter!

By:


2 Antworten zu “Entscheidung für’s Leben”

  1. to hold on the essential thought in original:

    „So when we face hard choices, we shouldn’t beat our head against a wall trying to figure out which alternative is better. There is no best alternative. Instead of looking for reasons out there, we should be looking for reasons in here: Who am I to be? You might decide to be a pink sock-wearing, cereal-loving, country-living banker, and I might decide to be a black sock-wearing, urban, donut-loving artist. What we do in hard choices is very much up to each of us.

    When we create reasons for ourselves to become this kind of person rather than that, we wholeheartedly become the people that we are. You might say that we become the authors of our own lives.“

    Und noch etwas: ich glaube nicht, dass es alleine „darum geht, die richtigen Argumente zu finden“ – das ist mir zu akademisch formuliert. die richtigen Arguemente wofür? ich glaube, dass es darum geht, herauszufinden, wer man ist bzw. sein will und die Argumente stellen sich ein. WHO AM I TO BE? „So the lesson of hard choices: reflect on what you can put your agency behind, on what you can be for, and through hard choices, become that person.“

    • Die Argumente, die Gründe, die wir kreieren, um der zu werden, der wir sind – zu akademisch? – dann muss ich auch einen „essential thought in original“ anführen, der drückt es vielleicht noch besser aus 😉

      „When we choose between options that are on a par, we can do something really rather remarkable. We can put our very selves behind an option. Here’s where I stand. Here’s who I am. I am for banking. I am for chocolate donuts. This response in hard choices is a rational response, but it’s not dictated by reasons given to us. Rather, it’s supported by reasons created by us. When we create reasons for ourselves to become this kind of person rather than that, we wholeheartedly become the people that we are. You might say that we become the authors of our own lives.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: